sind Sie bereits gegen Corona geimpft? Wenn nicht: Wären Sie gerne gegen Corona geimpft? Wenn nicht: Haben Sie den Artikel „Zehn Gründe, warum man sich jetzt impfen lassen sollte“ von meiner Kollegin Julia Bernewasser oder „Warum soll ich mich impfen lassen?“ von Sascha Lobo gelesen? Wenn nicht: Schauen Sie doch kurz mal rein. Unsicherheit ist okay, die Welt kompliziert und groß; trotzdem leben wir leider in einer Pandemie, die sehr viele Menschenleben fordert und unser Gesundheitssystem überfordert. Da kommt es auf jeden und jede Einzelne/n an und da liegt es – sofern Sie kein kompletter Egoist oder Ignorant sein wollen – an Ihnen, mögliche Unsicherheiten zu überwinden, indem Sie sich informieren. Beide Texte helfen dabei. Wir gerne auch (wo wir können): checkpoint@tagesspiegel.de.
Fest steht: Die Lage ist ernst. „Ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch“, sagt RKI-Präsident Lothar Wieler. In mehr als einem Viertel der Landkreise liege die Sieben-Tage-Inzidenz über 500, viele Krankenhäuser seien am Anschlag. „Wir müssen jetzt das Ruder herumreißen. Wir dürfen wirklich keine Zeit verlieren.“ Wieler ruft dazu auf, wenn möglich zu Hause zu bleiben, Großveranstaltungen abzusagen, die Personenzahl bei kleineren Veranstaltungen zu reduzieren und „Hotspots, wie schlecht belüftete Bars und Clubs“ komplett zu schließen. Zu viel Zeit wurde schon verloren.
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Ein kleiner Wurf für dich, aber ein großer für die Umwelt. Denn nur richtig getrenntes Altglas kann auch recycelt werden. Deshalb gilt eine einfache Regel: Alles, was kein Weißglas ist, ist bunt! Farbiges Altglas gehört also in die Buntglastonne.
Mehr dazu.
Bevor wir an dieser Stelle zu den etwas schöneren Nachrichten und der Kür unserer Berliner:innen der Woche kommen, noch ein völlig coronakonformer Zuhause-Tipp: Unsere neue Podcastfolge „Eine Runde Berlin“ ist raus. Dieses Mal in der Ringbahn zu Gast: die Nachwuchstheatermacherinnen Leonie Jenning und Martha Mechow. Ihr Stück „Letzter Stand I: allos autos“ läuft gerade im Hauptprogramm der Volksbühne. Wir haben Sie zu ihrem ersten großen Doppelinterview getroffen und mit den beiden über ihre Theatervisionen, René Pollesch, Freundschaften, Fantasie, kollektive Arbeit, die Kulturindustrie als „neoliberalsten Scheiß der Welt“, Machtmissbrauch und „Metoo“ gesprochen. Jetzt auf tagesspiegel.de und überall, wo es Podcasts gibt.
+++ EIL: Hier könnten noch die neuesten Berliner Koalitionsergebnisse zum Thema Stadtentwicklung stehen. Leider gibt es bisher keine. +++
Und damit zu unseren Berliner:innen der Woche: Große Anwärterin auf den dritten Platz war in jedem Fall BER-Chefin Aletta von Massenbach, die in einem Brief an die Beschäftigten verkündete, dass es nicht reiche „uns für unzuständig zu erklären“ (CP von Dienstag). Aus Gründen haben wir uns dann allerdings doch entschieden, langfristig zu denken und noch ein bisschen zu warten: Sollte sie es tatsächlich dauerhaft schaffen, die hiesigen Gepflogenheiten der Unzuständigkeit zu überwinden und den Flughafen auf Vorderbahn zubringen, wäre das perspektivisch vielleicht sogar Gold.
Jetzt schon verdient haben die Bronze-Medaille der Hort der Ludwig-Bechstein-Grundschule und der Jugendclub Wichura. Die Kinder und Jugendlichen haben den sogenannten „Dunklen Weg“ (in diesem Fall wortwörtlich zu nehmen) in Lankwitz in eine kleine erleuchtete Kunstmeile verwandelt. „Sie bauten aus Einmachgläsern bemalte Solarlichter, kreierten aus reflektierendem Drachenstoff Windspiele – und kombinierten beide Elemente an stabilen Holzkonstruktionen zu leuchtenden und bunten Installationen. Sechs der Lampen-Kunstwerke lotsen jetzt die Fußgängerinnen und Fußgänger“, schreibt Kollege Boris Buchholz im Leute-Newsletter Steglitz Zehlendorf (Anmeldung hier). Ein kleiner Lichtblick in grau-trüben Tagen.
Den zweiten Platz teilen sich Evan Ghazi und Fahid Al Hamuie. Die beiden Geflüchteten und Neu-Berliner haben Ende Oktober einen bewusstlosen Mann von einem Adlershofer S-Bahn-Gleis gerettet – während die Bahn einfuhr. „Ich dachte, dass wir sterben würden“, sagt Ghazi. „In meinen zwölf Jahren bei der S-Bahn ist das einmalig“, sagte Peter Buchner, Vorsitzender der S-Bahn-Geschäftsführung jetzt anlässlich einer kleinen Dankesfeier. Die ganze Geschichte lesen Sie (hier) mit T+. Für uns jedenfalls: Silber!
Platz eins lässt sich in dieser Woche unter dem Motto „Reden ist Silber, anpacken Gold“ zusammenfassen: Nachdem Berlins Noch-Regierender am Dienstag dazu aufgerufen hatte, die Impfzentren personell zu unterstützen („Wer entsprechende Kenntnisse hat, wer dazu bereit ist, bitte melden Sie sich, denn wir wollen die Infrastruktur so schnell und soweit es geht in Berlin ausbauen“), haben sich bereits jetzt ausreichend Mitarbeiter:innen gefunden. „Der Aufruf hat dazu geführt, dass sich enorm viele Berliner gemeldet haben, um zu helfen“, sagte ein Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (Q: dpa). Es wird ja immer viel über diese Stadt gemeckert. Aber oft sind die Menschen hier auch einfach GOLD.
Fehlt noch was? Ach ja, Blech: Da gab’s durchaus wieder einige Kandidaten, zum Beispiel a) das Pankower Grauflächenamt, das Beton Bäumen vorzieht und Anwohnern für ihre Bepflanzung mit 10.000 Euro Strafe droht oder b) das Bezirksamt Mitte, das noch im vergangenen Jahrhundert weilt („Momentan haben nur 24 Prozent der Mitarbeiter:innen im Bezirksamt Mitte einen funktionierenden Laptop oder anderen Computer.“).
Überzeugt hat uns dann letztlich doch die vollkommene Nicht-Digitalisierung der Berliner Klassenzimmer. „Wie geht es eigentlich beim LAN- und WLAN-Ausbau in den Schulen voran?“ – das wollte CDU-Mann Roman Simon vom Senat wissen. Die Antwort: noch grauenhafter als gedacht. In keinem (!) Bezirk ist der Ausbau von LAN und WLAN vollständig abgeschlossen. In Steglitz-Zehlendorf ist der „LAN-Ausbau an 25 Standorten in Arbeit, WLAN-Ausbau noch nicht begonnen, da nachgeordnete Förderpriorität“. Schlechter läuft’s nur in Neukölln. Da wird die „Ausbaustrategie“ überhaupt erst „nach Vorliegen aller Netzwerkdokumentationen erstellt“. Keine Pointe.
Wochniks Wochenende
Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.
48h Berlin
Samstagmorgen – Kalt ist es, nass und grau. Und alle Jahre wieder trifft die Kälte nicht alle Menschen gleich. Wer warme Sachen aus der letzten Saison abzugeben hat, Jacken mit funktionierenden Reißverschlüssen, Schlafsäcke, etc., in sauberer Verfassung – Berliner Kältehilfe und Stadtmission freuen sich, bedürftige Menschen mit Ihren Spenden zu erfreuen. Wer halbwegs aufmerksam um sich schaut, erkennt auch jetzt schon Menschen auf der Straße und in Bahnhöfen, die frieren – da ist der Umweg über Sammelstellen manchmal gar nicht nötig. Wenn doch schon die Supermärkte wieder ihre Eingangsbereiche mit Weihnachtswaren zustellen, darf man doch den damit einhergehenden Geist der Nächstenliebe schon mal etwas vorwärmen.
Samstagmittag – Hach, das Künstlerdasein – einfach mal seinen spontanen Impulsen nachgehen und alles tun, worauf man Lust hat – und dann auch noch dafür gefeiert werden! Dass die Realität ganz anders aussieht, daran erinnern Rehema Chachage und Aderemi Adegbite mit einer Serie von Installationen und Performances, „Flinn Works: White Money“. Das Thema ist ein zu Berlin ausgezeichnet passendes: Antragslyrik. Auf der ganzen Welt ist die Kunst abhängig von Fördergeldern – und Fördergelder müssen beantragt werden. Dafür wiederum gibt es Formulare, Kriterienkataloge – und nicht zuletzt reichlich Konkurrenz um die im Verhältnis zur Nachfrage wenigen Zusagen. Welche Kunst sieht man also, wenn man etwa „junge Kunst aus dem Iran“ vor sich hat? Nun, diejenige, die den Kriterien des jeweiligen Förderinstituts am besten entsprochen hat. Wie europäisches Geld die Weltkunst gestaltet – ab 16 Uhr in den Sophiensaelen.
Samstagabend – Wie gesagt, die kalte Jahreszeit trifft nicht alle Menschen gleich. Exhibitionistisch veranlagte Menschen zum Beispiel müssen sich in Geduld üben oder frieren – dass es zudem dermaßen lange dunkel ist, kommt ihnen auch nicht gerade entgegen. Wie gut, dass Yann Yuno in der Stadt ist! Der preisgekrönte Meister der Mentalmagie und Mind-Hacker erkennt schon beim bloßen Anblick seines Publikums dessen Urlaubsbilder und Facebook-Profile, enthüllt seine bestgehüteten Geheimnisse und bietet somit die beste Gelegenheit für einen Seelen-Striptease vor lauter fremden Menschen. Aber nein, datenrechtliche Fragen berührt die Veranstaltung ausdrücklich nicht – es geht vielmehr um bloße Illusion und Sci-Fi-Unterhaltung. Ab 20 Uhr in der ufa-Fabrik, Tickets kosten 19/16/12 Euro. Tickets zu 21,90 Euro gibt es hier.
Sonntagmorgen – Sunday morning, early dawning… Sie wissen schon, irgendwas ist ja immer, aber dann gibt es wieder einen lieblichen Sonntagmorgen, an dem man durchatmet, wenn nicht gerade jemand anruft – davor warnt der Velvet-Underground-Song ja – aber selbst das ist sonntagmorgens „nothing at all“. Besser schnell das Haus verlassen, die Straßen kreuzen, die man neulich erst gekreuzt hat („…not so long ago“) und seinem unruhigen Gemüt zum Beispiel einen Kalligrafiepinsel in die Hand geben, mit dem es sich ausdrückt und aller Anspannung eine Form gibt. Das, und vieles andere mehr, kann man auf dem Japanmarkt im Festsaal Kreuzberg ab 12 Uhr tun, der Eintritt beträgt 7 Euro.
Sonntagmittag – Apropos Papier: Auf der Messe Buch Berlin stellen sich rund 300 kleine, unabhängige Verlage vor. Von 10 bis 17 sind sie nicht nur an ihren Ständen zu bestaunen, nein – es gibt auch literarische Reiseführungen, Lesungen, eine Rätselrallye, also reichlich Unterhaltungsprogramm am Rande. Aber vor allem eine Menge Literatur, die üblicherweise leider allzu weit abseits des öffentlichen Blickes geschrieben, gedruckt und gelesen wird. Das Tagesticket für die Arena (Eichenstraße 4) kostet 8/4 Euro.
Sonntagabend – Zurück in die Gegenwart. Die ist bekanntlich weder smooth – sonst wären Smoothies zum aus-smoothen der Dinge nicht so beliebt – noch cool. Smooth, cool – wer bei diesen Stichworten an Jazz denkt, denkt ganz richtig: Um 20 Uhr steht nämlich das Laurids Richter Quintett auf der Bühne des Holzmarkt 25, um, wie ich aus Insiderkreisen höre, alles andere als „angepasste Löffelmusik“ oder „Fahrstuhljazz“ zu spielen, sondern eine Musik, die „zu dieser Stadt passt“.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Neulich fanden Chantal und ich ein sonderbares Objekt im Wald: Ein Gummiseil, zwischen zwei Bäume gespannt. Bei genauer Betrachtung fiel auf, dass die Bäume recht fest im Boden standen und keineswegs zu kippen drohten – wozu also ein derartiges Stützkonstrukt? Natürlich schnüffelten wir daran, zogen mit den Hauern in beide Richtungen und Zack, flog ich plötzlich ein Stück weit durch die Luft. Zum Glück landete ich weich und hatte selbstredend meinen Borstenkamm dabei, um mich wieder ansehnlich zu machen. Chantal, die sportliche Sau von Nebenan, hatte für mich allerdings keine Augen. Als ich mich ihr wieder zuwandte, balancierte und hüpfte sie bereits auf dem Seil herum und es dauerte nicht lange, bis sich Schaulustige ob ihrer akrobatischen Künste einfanden. Dermaßen befriedigend empfand sie das Erlebnis, dass sie nun überlegt, einen kleinen Zirkus zu starten. Ich ließ mich natürlich zum Mitmachen überreden – als Manager, wohlgemerkt. Manager kommt schließlich von Manege. Wir wohnen jetzt auch in einem Zirkuswagen in der Uckermark, um uns auf den Lifestyle einzuschwingen. Ich empfehle Chantals Show von Herzen. Und mich empfehle ich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Wo alles impfmüde Schwurbeln endgültig endet: Hannes Heine hat eine Berliner Intensivpflegerin beim Einsatz am Rande ihrer Kräfte begleitet.
Wussten Sie, dass der Widerhopf Berlin nicht mag? Schräger Vogel. Warum das so ist, hat Frank Bachner (Abo) aufgeschrieben.
Apropos Kleider für die kalte Jahreszeit – oder die vom letzten Sommer: Die pflegen Berliner:innen bekanntlich auch gerne einfach irgendwo in die Stadt zu pfeffern. Christine Van den Berg sprach mit einer Künstlergruppe, die die Lumpen wieder aufsammelt.
Warum nicht alles schlecht ist an schlechtem Wetter und wieso es davon noch nicht genug gab, erklärt Stefan Jacobs (Abo).
Eine Liste, über die man schmunzeln könnte, wenn sie nicht so gefährlich wäre, hat Henning Onken erstellt: Berlins peinlichste Radwegpannen.
Wochenrätsel
Viele neue, junge Gesichter sind nach der Wahl ins Berliner Parlament eingezogen, die jüngste Abgeordnete in dieser Legislaturperiode ist 21 Jahre alt. Auch stilistisch bringen sie neuen Wind ins AGH – womit?
a) Kapuzenpulli, Kaffee-to-go-Becher und Ghettoblaster
b) Sonnenbrille, Frottee-Einteiler und Yucca-Palme
c) Einhornteetasse, Panzergoldkette und Tattoos
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenEncore
Zum Schluss kommen wir nochmal zum Berliner Koray Aldemir, der gerade die Poker-Weltmeisterschaft und damit acht Millionen Euro gewonnen hat (CP von gestern). Auf seinem diamantbesetzten Siegerarmband stand der Schriftzug „WSOP“; wir wollten von Ihnen wissen: Für welches Motto der künftigen Koalition könnte das die Abkürzung sein?
Die Mehrheit war sich einig: „Wir sind ohne Plan“. Weitere Vorschläge waren: „Weiter so ohne Plan“, „Weiter so ohne Pardon“, „Weiter sexy ohne Plan“, „Wir schwurbeln ohne Plan“, „Wir schwätzen ohne Plan“, „Wir stapeln organisierte Probleme“ „Wir suggerieren ordentliche Politik“, „Was Soll Ooch Passier’n“ und „Wir sollten öfter Pokern“. Immerhin ein paar Optimist:innen gab’s auch: „Wir schaffen (das) ohne Probleme“ und „Wir schützen Omas Perlen“. Der vielleicht schönste Vorschlag kommt von Holger Dernbach: „Weitsicht, Sensibilität, Offenheit, Prozessbeschleunigung“. MfG an RGR.
Mit Weitsicht und Sensibilität hat heute Lotte Buschenhagen mitrecherchiert. Am Montag geht’s hier aufgrund unserer schnellen Prozesse schon wieder weiter. Dann begrüßt Sie Robert Ide voller Offenheit! Kommen Sie gut und gesund durch’s Wochenende!
