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Verwirrung über Zahl der ImpfdosenFlughafengesellschaft scheitert am PresseratVier Jahre nach dem Attentat vom Breitscheidplatz

es ist gar nicht so leicht, ein garantiert pandemiefreies CP-Jahresrückblick-Rätsel zusammenzustellen – aber Ann-Kathrin Hipp und Nadine Voß haben es geschafft: 46 Fragen ganz ohne Corona, einmal quer durch alle zwölf Monate dieser Stadt, in der es oft schwerfällt, Dichtung und Wahnsinn auseinander zu halten – denn manches kann man sich hier kaum vorstellen und anderes nicht mal ausdenken.

Zwischen Weihnachten und Neujahr schicken wir Ihnen die Aufgaben zu, und wie immer ist ein Lösungswort zu erraten. Zu gewinnen gibt‘s unverkäufliche Checkpoint-Fanartikel. Und wer es gar nicht erwarten kann: Wir haben das Rätsel zusammen mit einer super-duper Jahresrückblick-Zeichnung von Naomi Fearn heute schon mal auf die „Mehr Berlin“-Seiten im Tagesspiegel gepackt (im E-Paper und in Print).

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Ohnehin gilt: Nicht alles, was in den vergangenen zwölf Monaten passiert ist, war schlecht – unter diesem Motto steht auch unsere letzte 2020er Checkpoint-Podcast-Folge „Eine Runde Berlin“: Wir haben diesmal Ringbahnfahrgäste nach ihren persönlichen Glücksmomenten gefragt – und wunderbare Geschichten gehört.

Zum Beispiel die von Martin, der einen Preis für seine Forschung zur künstlichen Intelligenz bekommen hat; oder die von Pia, die auf einem Hausboot in der Rummelsburger Bucht auf den Frühling wartet; und liebste Bücher wurden uns (und Ihnen) auch empfohlen. Die Episode zum Jahresende gibts ab sofort auf tagesspiegel.de, Spotify, Apple und auf vielen weiteren Podcast-Plattformen.

Telegramm

Einige Apotheken missbrauchen die kostenlose Abgabe von FFP2-Masken – u.a. zum Datensammeln: In Wilmersdorf z.B. wurde nach CP-Informationen eine Kundenkarte verlangt bzw. das Ausfüllen eines „Kundenkartenformulars“ zur Voraussetzung gemacht – dabei reicht regulär der Personalausweis. Für die Apotheken ist die Aktion der Bundesregierung (die auch die Rechnung bezahlt) sowieso schon ein super Geschäft – die meisten Leute kaufen aus Dankbarkeit gleich noch etwas dazu.

Irrtum 1: Der maskenlose Flashmob, der Berlin unsicher macht („Ein bisschen Sars musss sein“, CP von gestern) wird nicht von reichsbürgerlichen Verschwörungsschwurblern angeführt, sondern von Berliner Gaga-Hedonisten, die im vergangenen Jahr noch bunt verkleidet bei „Extinction Rebellion“ auftraten und Fetischpartys in Friedrichshain organisierten.

Irrtum 2: Die „Antifaschistische Versammlung gegen Querulanten & Feinde der Gesellschaft“, die 78 Polizisten verletzte, ist keine „Antifaschistische Versammlung gegen Querulanten & Feinde der Gesellschaft“, wie der vermeintliche Enthüllungsabgeordnete Marcel „Lunte“ Luthe trompetet (und in seinem Gefolge auch Linksphobiker Roland Tichy), sondern ein „Querdenker“-Stoßtrupp unter falscher Flagge

Irrtum 3: Der für diesen Sonntag in der Holzmarktstraße angekündigte „Schweigemarsch gegen Diskriminierung und für Menschenrechte“ ist kein „Schweigemarsch gegen Diskriminierung und für Menschenrechte“, sondern (angesichts der Infektionszahlen) eine Demonstration brüllender Blödheit.

Bruchlandung der Flughafengesellschaft vor dem Presserat – die Beschwerde gegen einen Bericht unseres Kollegen Thorsten Metzner (CP vom 31.10.) über den Versuch der Geschäftsführung, dem Aufsichtsrat einen neuen Technikchef unterzujubeln (Jahresgehalt 230.000 Euro), wurde gecancelt. Angeblich hatte die Geschäftsführung die Personalie wegen der „Indiskretion“ zurückgezogen. Der Presserat urteilte jetzt: Die Beschwerde von FBB-Mann Kai Bonitz, zuständig für „Recht & Compliance“, ist unbegründet. Und das begründet der Presserat so:

+ Die Vertraulichkeit der Information bindet nur die am Einstellungsprozess Beteiligten.

+ Der Schutz der Persönlichkeit wurde nicht verletzt, weil das Informationsinteresse der Öffentlichkeit überwiegt.

+ Denn „Verzögerungen und Probleme“ beim Flughafenbau sind „ein seit Jahren in der Öffentlichkeit stark diskutiertes Thema“.

+ Dabei spielt die Technik „eine größere Rolle“ – deshalb durfte über die Neubesetzung „identifizierend berichterstattet werden“.

+ Und zur Bezifferung des Gehalts: „Angesichts dessen, dass große Teile der FBB-Belegschaft in Kurzarbeit sind“ und „für die nähere Zukunft zu erwarten ist, dass (zumindest in Teilen) eine Finanzierung aus Mitteln der öffentlichen Hand – und damit letztlich aus Steuergeldern – erforderlich sein wird, durfte auch das vereinbarte Gehalt dieser Führungskraft genannt werden.“

Apropos „nähere Zukunft“ – zur finanziellen Situation des Flughafens äußerte sich gestern Harald Moritz, BER-Spezialist der Grünen, folgendermaßen: „Das Vertrauen in die Flughafengesellschaft ist aufgebraucht. Die Insolvenz hat nun schon mehrfach angeklopft, es traut sich nur niemand an die Tür. Es muss Schluss sein mit der Intransparenz.“

Wenn jemand ganz leise auf einen anderen Posten verschwindet, gab’s vorher meistens großes Gebrüll – auch im Fall von Bernd Becking, bis eben noch Chef der Arbeitsagenturen Berlin-Brandenburg, demnächst irgendwas mit Arbeit in Brüssel, ist das offenbar so. Von der Nachfolgerin Ramona Schröder wird jedenfalls erwartet, dass sie weniger Mitarbeiter verschleißt.

Heute vor vier Jahrenraste ein Attentäter mit einem Lkw auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz – Alexander Fröhlich beschreibt hier, was Berlins Behörden daraus gelernt haben (und was leider nicht).

Bei Tesla blättert der Lack: Weil das Unternehmen eine Sicherheitsleistung von 100 Millionen Euro schuldig blieb, dürfen auf dem Werksgelände bei Grünheide vorerst die Farbmaschinen nicht eingebaut werden.

18 Aufzüge in Berliner S- und U-Bahnhöfen sind derzeit Stehzüge (hier eine Übersicht) – der Senat will künftig in solchen Fällen per „Mobilitätsgarantie“ eine Alternative anbieten. Allerdings brauchen die dafür vorgesehenen Kleinbusse für die Anfahrt noch bis zum Jahr 2023. Nehmen Sie sich also vorsichtshalber ein bisschen Verpflegung mit.

Sie erinnern sich an Eberhard Franke, genannt „Orgel Ebi“? Berlins dienstältester Leierkastenmann wurde 1988 weltberühmt, als er an der Glienicker Brücke einen Agentenaustausch musikalisch begleitete. Jetzt ist Franke mit 89 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben.

Falls Sie sich mal wieder über Berliner Unpünklichkeiten ärgern sollten, hier die Geschichte von CP-Leserin Johanna Sprondel: „Wir reden von der Stadt, die mir eine auf den 15.10. datierte Zahlungsaufforderung mit Frist zum 09.10. am 26.11. zugestellt hat.“ Wer bietet mehr?

Ampeln führen in Berlin offenbar ein Eigenleben – jedenfalls „ist es für die Senatsverwaltung mit Unsicherheiten verbunden, im Vorhinein Aussagen zu präferierten Umsetzungen zu treffen“, schreibt Staatssekretär Ingmar Streese auf eine Frage der CDU-Abgeordneten Cornelia Seibeld zu Terminen der „Umprogrammierung von Lichtsignalanlagen“. Nochmal Streese: „Vielmehr erfolgen die Umsetzungen auf der Grundlage kontinuierlicher Abarbeitungen und damit auch in Anhängigkeit von Kapazitäten und Schwierigkeitsgraden.“ Alles klar?

Übrigens: Für die „Vergabe von Eiszeiten“ ist im Land Berlin nicht die Klimasenatorin zuständig, sondern (per Verwaltungsakt) eine Vergabestelle – sagt jedenfalls Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki (Anfrage: CDU-MdA Andreas Statzkowski).

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin


Samstagmorgen – Während jeder Haushalt im Lockdown mehr oder weniger zur einsamen Insel wird, allerorten Signale ausgesendet, Leuchtfeuer entfacht werden und man sich an das, was man schon hat, hält, um durch die Wartezeit zu gelangen, ist wenigstens die Flaschenpost modernisiert. Wer zum Beispiel kein Süßwasser auf seiner Insel findet, bestellt es einfach. In Flaschen abgefüllt, per Boten geliefert, ohne die Unwägbarkeiten ozeanischer Weiten.
Samstagmittag – Apropos Moderne: Einer der Höhepunkte der russischen Avantgarde bestand in der futuristischen Vision der Abschaffung der Sonne zur Errichtung einer elektrischen Nacht — mit der Oper „Sieg über die Sonne“ feierten vier Herren diese ultimative Emanzipation des Menschen von der Natur. Unter ihnen auch ein gewisser Kasimir Malewitsch, der für das Bühnenbild sein berühmtes schwarzes Quadrat entwarf. Dabei hatte alles so unschuldig begonnen, eben im Sonnenlicht, mit Lichtmalerei impressionistischer Art. Zum Impressionismus in Russland. Aufbruch zur Avantgarde“ zeigt das Museum Barberini eine vielschichtige digitale Ausstellung mit Tour, 360°-Rundgang, Talks, Videos und natürlich Yoga. Unter allen, die uns bis 12 Uhr schreiben, verlosen wir 5 Online-Tickets.
Samstagabend – Klingende Artenvielfalt: Nur ein Bruchteil aller in den Regenwäldern der Erde tönenden Vögel ist bislang entdeckt, beschrieben und katalogisiert. Das Verschwinden jeder unbekannten Vogelstimme verändert das symphonische Gesamtgefüge des Regenwalds und deutet somit akustisch auf die Veränderung der Verhältnisse im Regenwald. Einen etwas anderen Dreh zum Thema vermitteln Dominik Eulberg und Kim Ortega am Museum für Naturkunde, mit dem nicht ganz auf der Hand liegenden Themenfeld Umwelt, Wissenschaft und Techno. Die Idee ist, den Begriff der Biodiversität auf die kulturelle Sphäre zu übertragen und quasi mit Carl von Linné um 19 Uhr über die bedrohte Clubkultur nachzudenken. Untermalt von elektronischen Beats.
Sonntagmorgen – Der 4. Advent, wie schön. Früher, lange vor unserer Zeit, landeten alljährlich zwischen 28 und 30 Millionen mit Pestiziden und Wachstumsbeschleunigern vollgepumpte Bäume in deutschen Wohnzimmern, denen feierlich beim Sterben zugeschaut wurde, bis sie am 6. Januar aus Fenstern flogen. Zum Glück leben wir ja in anderen Zeiten, in denen es die umweltbemühte Alternative Biobaum (hier eine vom NABU empfohlene Händlerliste) gibt. Oder den regenerativen Baum, der nur aus der Spitze einer größeren Tanne besteht. Die sauberste Baumvariante dürfte der Mietbaum (hier oder hier) sein, der im Kübel Erde nach Hause geliefert, im Januar wieder abgeholt und in sein natürliches Habitat zurückverpflanzt wird. Die meisten klimabemühten Bäume dürften nur wenige Coffee to go extra kosten. Wer so richtig am Baum sparen will: Die günstigste Alternative heißt noch immer gar kein Baum.
Sonntagmittag – Großen Spaß mit Langeweile hatte schon Martin Heidegger, dem sie als Voraussetzung zum philosophischen Denken galt. Wer es ihm gleichtun will, beobachtet ab 16.16 Uhr bis Montag um 9.54 Uhr (also 45 Minuten vor Sonnenuntergang bis 45 Minuten nach Sonnenaufgang) die Wintersonnenwende im Livestream aus Stonehenge und genehmige sich ein Glas reinen Weins, um den braunen Beigeschmack zu übertönen, den die Nazis in Anlehnung an nordische Mythen solchen Naturereignissen verpasst haben. Oder folge ab 17 Uhr dem Online-Vortrag von Adrian Rohfelder über Fotografie an den entlegensten Winkeln der Erde, um den Blick etwas zu weiten.
Sonntagabend – Statt auf alte Steine, setzt das Ensemble des Rambazamba-Theaters unter Jacob Höhne auf die Zukunft. Mit der Dada-Webserie Superforecast trifft es dabei Voraussagen, die nicht nur stimmen, sondern auch ästhetischen Mehrwert liefern sollen. Gar nicht leicht, es sei denn man holt sich kompetente Verstärkung von Martin Kippenberger, der als Künstler sowieso ausgewiesener Zukunftsexperte war, sich aber mit dem Gedicht „wieder ne Woche“ eine absolute Vorreiterrolle in der Wahrsagerei gesichert hat. Um 19.30 Uhr startet die dritte Folge, vergangene sind im Vimeo-Kanal des Theaters nachzusehen.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Lange nicht alle gehen spazieren, um sich an der Umwelt zu laben. Ich, zum Beispiel, obwohl ein echtes Umweltschwein, ziehe besondere Befriedigung aus dem Gefühl, der Welt etwas zurückzugeben, indem ich mich zeige. Spazieren, um gesehen zu werden, kann man bekanntlich ganz hervorragend in Prenzlauer Berg. Dazu empfehle ich den Start am Rosenthaler Platz, um über Weinbergspark und Weinbergsweg in die Kastanienallee zu gelangen. Die Blickdichte, die hier an mir haftet, ist unvergleichlich und meine Aufmachung, da eben erst losgegangen, noch tiptop. Zum Ende der Kastanienallee nach links in die Oderberger Straße, wo man seinen To-Go-Kaffeebecher bei Bonanza auffüllen lässt und weiter durch den Mauerpark. Hinter der Gleimstraße treppauf und weiter parallel zur Schwedter Straße zur Jugendfarm Moritzhof, wo irreführenderweise gar keine Jugend gehalten wird, sondern Tiere, dann weiter zum im Schrittrhythmus mitschwingenden Schwedter Steg mit einem für Berlin außergewöhnlich weiten Ausblick. Geradeaus weiter, in der Norweger Straße, ist nicht allzu viel los, wenn nicht gerade die Kirschen blühen. Da hat man sich wieder ganz für sich. Hat man sich dann ja auch verdient.“

Lese­empfehlungen

Lesestücke  – Die demente Mutter von Alexander K. aus Berlin liegt mit Covid im Krankenhaus. Armin Lehmann (Abo) hat er erzählt, wie sich sein Alltag als Angehöriger in Zeiten überlasteter Kliniken gestaltet.

Psychotherapeutin Isabella Heuser-Collier von der Charité warnt vor der auch in diesem Jahr ausgeprägten Überhöhung von Weihnachten (Abo), die das Fest am Ende einiges, aber nicht schöner macht. Sandra Dassler hat sie gesprochen.

Ein Museum im Stadtschloss ist nichts wirklich Neues. Schon 1946 erwirkte der Architekt Hans Scharoun, dass der weiße Saal für vier Jahre für Ausstellungen genutzt wurde, um vor allem Kunst aus Frankreich zu zeigen und das Publikum gedanklich weit weg von Krieg und Nazideutschland zu tragen. Christiane Peitz hat dieser „Trouvaille“ ein Stück gewidmet.

Wochen­rätsel

Wer wurde Donnerstagnachmittag am Treptower Park überfallen?
a) Die „Mutter Heimat“
b) Ein Geldtransporter
c) „Der Holländer“

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

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Encore

Zum Schluss schauen wir heute hinter das verschlossene Türchen von Clärchens Ballhaus und fragen Heide Rabe aka DJane Clärchen, wie sie durch den grauen Berliner Corona-Winter kommt und sich die Adventszeit versüßt:

Ich habe meine persönlichen Jahrescharts erstellt und meine Platten neu sortiert. Ich versuche, so viel Zeit wie möglich draußen bei Tageslicht zu verbringen. Das klappt gut, weil die Nachtarbeit momentan entfällt. Und natürlich hoffe ich auf bessere Zeiten.“

Und dem Checkpoint hat DJane Clärchen gestern Abend ihre persönliche Top 10 auch noch verraten (vielen Dank dafür!) – hier sind sie:

1. Sleaford Mods – Mork n Mindy
2. X Ambassadors – Boom
3. Toots & The Maytals – Warning Warning
4. SEEED – Hale-Bopp
5. Snow Patrol & the Saturday Songwriters – Reaching Out To You
6. Fenne Lily – Solipsism
7. 5/8erl in Ehr´n – Vaporizer
8. Telquist – Taste
9. Beatsteaks – Monotonie
10. Liz Lawrence – None Of My Friends

Den letzten Akkord der heutigen Checkpoint-Produktion hat Kathrin Maurer angeschlagen – wir wünschen Ihnen ein harmonisches Wochenende! Bis dahin,

Lorenz Maroldt