wir beginnen mit den Nachrichten aus der Nacht zum russischen Angriff auf die Ukraine:
+ Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen dessen Kriegsführung in der Ukraine auf ungewöhnlich emotionale Weise kritisiert. „Es ist Brutalität der kältesten und verdorbensten Art“, sagte Kirby am Freitag in Washington mit Blick auf Putins Vorgehen in dem Krieg.
+ Die Slowakei und Polen haben eine Vereinbarung getroffen, die es ermöglicht, slowakische MiG-29-Kampfflugzeuge an die Ukraine zu übergeben. Das gaben die Verteidigungsminister der beiden Länder am Freitag in Bratislava bekannt.
+ Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat der Bundesregierung ihr weitgehendes Fehlen beim Bundespresseball der Hauptstadtjournalist:innen vorgeworfen. Nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Teilnahme am „Solidaritätsball“ abgesagt hatte, hatten auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), Innenministerin Nancy Faeser (SPD) und weitere Minister ihre Zusagen zurückgezogen, so dass letztlich kein Kabinettsmitglied kam. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nahm nicht teil, er sollte erst am Freitag von einer Reise nach Japan zurückkehren.
Alle weiteren Entwicklungen lesen Sie in unserem Liveblog auf tagesspiegel.de.
Willkommen im Frühling! Der führt uns heute durch das Gallery Weekend und das Wochenende der Arbeit. Zum Einklang empfehle ich die neue Podcastfolge „Berliner & Pfannkuchen“ von den Kolleg:innen Ann-Kathrin Hipp und Lorenz Maroldt. In einem 1. Mai-Spezial sprechen die beiden über Geschichte und Gegenwart der Protestbewegung – und empfangen dafür wie immer Sprachnachrichten von Berlinerinnen und Berlinern. Mit dabei: der Alt-Linke Hauke Benner, der die ersten Ausschreitungen 1987 miterlebt hat, Demonstrant:innen dreier Protestzüge, die in diesem Jahr auf die Straße gehen, Polizeipräsidentin Barabara Slowik („Die angezeigten Versammlungen werden die Straßenfeste nicht betreffen und stehen einem Besuch in keiner Weise entgegen“) und Neukölln-Bürgermeister Martin Hikel („Neukölln kann mehr als Kreuzberg: Wir können sowohl Straßenfeste und 1. Mai-Demonstration – aber auch Hähnewettkrähen, was am gleichen Tag stattfindet“). Jetzt überall, wo es Podcasts gibt und hier auf tagesspiegel.de.
Samstagabend – Auch E-Gitarrenverstärker stellen für viele ein Transportproblem dar: Wer sie braucht, hat ja in der Regel schon eine Gitarre umhängen, dann baumelt da das Netzkabel irgendwie lose in der Gegend herum, auf das man ständig tritt. Empfindlich ist das Ganze auch noch. Geschichten aus dem Alltag von Berufsmusiker:innen sind Thema in einer Gesprächsreihe im RambaZamba-Theater. Heute Abend unterhalten sich mit Albertine Sarges und Rick McPhail zwei Gitarrist:innen über Herausforderungen im und den Wandel des Berufsalltags im Musikbetrieb – und geben dazu zwei kleine Konzerte.
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Ein Ruck geht durch Berlin.
Was Roman Herzog in seiner „Ruck-Rede“ forderte, unterstützt die Berliner Sparkasse. Deshalb zeichnen wir mit dem Roman Herzog Preis Menschen aus, die mit ihrem gesellschaftlichen Engagement für einen spürbaren Ruck in Berlin sorgen. Bis zum 31. Mai 2022 für den Roman Herzog Preis bewerben unter: berliner-sparkasse.de/rhp
Sonntagmorgen – Wenn Tag der Arbeit und Gallery Weekend in eins fallen, startet man am besten mit einer Tour durch kapitalismuskritische Ausstellungen im einst „roten“ Schöneberg. In der PSM Galerie (Schöneberger Ufer 61) befasst sich Marilia Furman unter dem Titel „Monstrous“ mit der materiellen Verschwendung und Überschussproduktion, dass Überschussphilosoph Georges Bataille seine Freude gehabt hätte, während bei ChertLüdde (Hauptstraße 18) die aus Ecuador stammende Sofía José Salazar Rosales die Suchbewegung entwurzelter Körper (Menschen und Dinge) thematisiert. In der Galerie Isabella Bortolozzi (Schöneberger Ufer 61) ist eine Gruppenschau voller illustrer Namen unter dem Titel „Fugue“ zu sehen. Fugue, beziehungsweise die barocke Fuge, ist ja nicht gerade für aktivistische Untertöne bekannt. Dabei thematisiert diese schon im Namen, und in der Musik auch formal, Flucht und Verfolgung. In einer Erklärung zur Ausstellung zitiert die Galerie das Autorenkollektiv „The Invisible Committee“, das sinngemäß sagt: Unsere Wirtschaftsform ist nicht in der Krise, sie ist die Krise selbst.
Sonntagmittag – Die radikalste Form des Protests gegen ungerechte Arbeitsverhältnisse besteht natürlich in der radikalen Arbeitsverweigerung. Ein Refugium des Nichtstuns ist Haverkamps Horst – ein Ferienhaus im Spreewald, in dem man einmal so richtig abschalten und sich an das Versprechen erinnern kann, das im 19. Jahrhundert, zu Zeiten der Industrialisierung vielerorts propagiert wurde. Sinngemäß: Wenn erstmal die Dampfmaschinen unsere Arbeit übernommen haben, werden wir Menschen alle wie in Haverkamps Horst leben. Zugegeben, wenn man selbst nichts tut, bleibt mehr an anderen hängen, wie hier am Gastgeberpaar Bianca und Lutz Haverkamp. Mit dieser Arbeit haben die beiden sich allerdings nach eigener Aussage einen Traum erfüllt, der keinerlei Dampfmaschinen vermissen lässt.
Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Wie spät ist es bitte? Wo habe ich denn schon wieder…, das kann doch nicht wahr sein! Schon wieder muss ich meine Taschenuhr verlegt haben. Ich muss sagen, ich schätze ja durchaus das geordnete Chaos des Waldes, habe dafür nämlich ein Gespür und in den allermeisten Situationen finde ich mich hervorragend zurecht. Das Gefühl von Verlorensein, das entsteht, sobald jemand, etwa eine gewisse ordnungsliebende Sau von Nebenan, „aufräumt“, ist dagegen kaum in Worte zu fassen. Chantal hat es nämlich eher mit geometrischer Schlichtheit und einem Alltag wie auf Schienen. Wie soll man sich Ablageorte merken, wenn alles gleich aussieht? Apropos Schienen: Solchen bin ich neulich bei der abermaligen Suche nach meiner Taschenuhr spontan gefolgt. Sie führten, wie sich herausstellte, nach Eberswalde, wo ich zwar nicht meine Taschenuhr, dafür aber reichlich verlorene Zeit vorfand. Darauf Proust! Der Eberswalder Familiengarten war nämlich einst ein imposantes Walzwerk, das der Maler Carl Blechen 1830, Öl auf Holztafel, malte – das Gemälde hängt heute in der Alten Nationalgalerie. 2002, zur zweiten Brandenburger Gartenschau, wurde daraus ein Landschaftspark mit reichlich Attraktionen für alle Altersgruppen – darunter die größte Taschenuhr der Welt, steht sogar im Guiness-Buch der Rekorde. Sie ist größer als mein Bau – dem Träger solcher Jackentaschen möchte ich in natura allerdings nur ungern begegnen. Meine Uhr tauchte übrigens später wieder auf, sie war erwartungsgemäß aufgeräumt worden. Das empfehle ich nicht. Aber mich empfehle ich, mit freundlichen Grunzen.“
Leseempfehlungen
Wer mit sich selbst in puncto Berufswahl hadert oder seinem Nachwuchs etwas mehr Weite in Sachen Jobhorizont eröffnen möchte: Anja Juhr, Fachfrau für das französische Baisergebäck Macaron, erinnert daran, dass man sich auf weit mehr Dinge spezialisieren kann, als die üblichen Berufsberatungen erahnen lassen. Lisa Erzsa Weil (Abo) hat sie gesprochen.
Mit der „Low-Car-Diät“ wollen vier Berlinerinnen das Radfahren in der Stadt
voranbringen – Grit Thoennissen (Abo) sprach für das Tagesspiegel Magazin „Radfahren“ mit den Expertinnen über Radwege zur Verkehrswende.
Der erste Mai wird in Berlin traditionell mit allerlei bunter Straßenpräsenz begangen. Welche Demos wann und wo zu erwarten sind und wo Sie besser keine Autos parken, haben die Kolleg:innen vom Berlin-Ressort zusammengetragen (Abo).
Wochenrätsel
Gewonnen! Erst rufen alle bauen, bauen, bauen, dann wird was gebaut, und dann stellt Senatsbaudirektorin Petra Kalhfeldt fest: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass hochmoderne Ausstattungen eines Neubaus bei Neu-Mieterinnen und -Mietern zu…
a) …unsäglichem Magengrummeln führen.“
b) …selbstkritischen Zweifeln führen.“
c) …subjektiven Mangelempfindungen führen.“
Tipp: Wer die Checkpoints der vergangenen Woche aufmerksam gelesen hat, kennt die Antwort.
Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.
Jetzt mitmachenHaben Sie ein inspirierendes Wochenende. Der frühe Vogel im Produktionsdienst war heute Kathrin Maurer, am Montag lesen Sie an dieser Stelle Lorenz Maroldt.