wir begrüßen Sie aus dem beschaulichen Berlin. Die Meldungen aus dem Süden sind dramatisch:
+ Meteorit beschädigt Häuser in Rheinland-Pfalz
+ Cem Özdemir gewinnt Wahl in Baden-Württemberg
Mit beidem haben vermutlich die wenigsten gerechnet.
Dementsprechend eruptiv sind die politischen Reaktionen (ständig aktualisiert hier), mit unklaren Kollateralschäden im großen und kleinen Berlin (Bund und Land) und ihren jeweiligen CDU-/SPD-Regierungen.
Klar ist nach gestern Abend nur: Cem Özdemir hätte politisch zwar auch ganz gut nach Berlin gepasst (spätestens nach dem Entdecken einer Cannabis-Pflanze auf seinem Kreuzberger Balkon), nun wird er der zweite Grüne Ministerpräsident Deutschlands und der erste mit Migrationsgeschichte. Doch wer es schafft, als Mitgestalter des Ampeldesasters 30 Prozent zu holen, dem ist alles zuzutrauen.
Cem Özdemir war übrigens auch schon bei uns auf der Checkpoint-Bühne zu Gast, legendäres Zitat: „Ich bin ja nicht der Bundessellerieschnitzelminister!“ Wenn Sie auch mal bei der Checkpoint-Revue dabei sein wollen: Am 16. April und am 4. Juni gibt es die nächste Gelegenheit im PunchLine-Club im Theater am Potsdamer Platz. Zu den Tickets geht es hier.
Sehr wahrscheinlich wird dort auch der ein oder andere Spitzenkandidat mal vorbeischauen, denn in gut sechs Monaten wird bekanntlich auch in Berlin schon wieder gewählt. Mit der Bewertung der Ergebnisse aus Baden-Württemberg allerdings hielten sich fast alle gestern Abend zurück.
Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) freute sich trotz des miserablen Ergebnisses ihrer eigenen Partei (5,5 Prozent): „Der Wahlsieg von Cem Özdemir als erster Ministerpräsident mit Migrationsgeschichte und als Sohn einer Gastarbeiterfamilie ist ein starkes Zeichen für unser Land“, sagte Kiziltepe, deren Eltern wie die von Özdemir in den 1960er Jahren aus der Türkei eingewandert sind. „Für viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist das ein Moment des Stolzes und der Ermutigung – für unsere Demokratie ist es ein Gewinn.“
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wollte sich am Abend nicht äußern, seine Generalsekretärin Ottilie Klein teilte via X mit: „Manuel Hagel und der gesamten CDU Baden-Württemberg gilt große Anerkennung für eine äußerst engagierte Wahlkampagne. Die CDU hat diesen Wahlkampf mit Anstand geführt, deutlich zulegen können und ist nur knapp nicht stärkste Kraft geworden, wenn sich das Ergebnis bestätigt. Herzlichen Glückwunsch an Cem Özdemir zum Wahlsieg.“
In einer ähnlichen Situation wie Özdemir ist Steffen Krach in Berlin – auch er kann trotz Regierungsbeteiligung seiner Partei wie ein Kandidat der Opposition auftreten, weil er bis vor kurzem noch als Präsident der Region Hannover gearbeitet hat.
Im Gespräch mit dem Checkpoint ging er zunächst auf das starke Ergebnis der AfD ein (18,7 Prozent), das schmerze besonders am Internationalen Frauentag. „Diese Partei will alles zurückdrehen, wofür Frauen seit Jahrzehnten gekämpft haben“, sagte Krach.
Dass seine eigene Partei es gerade noch auf 5,5 Prozent geschafft hat in Baden-Württemberg, bezeichnet Krach als „Mist, aber für mich noch mehr Ansporn, es in Berlin besser zu machen“. Stuttgart „und bald auch Mainz“ (Wahl in Rheinland-Pfalz in zwei Wochen) zeige, „wie schnell ein Vorsprung der CDU eingeholt werden kann und das werden wir auch in Berlin schaffen“, sagte Krach. „Ich will Kai Wegner ablösen, weil die Stadt wieder einen Regierenden Bürgermeister braucht, der liefert und auf den sich die Leute verlassen können.“
Noch 195 Tage bis zur Wahl.
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Oh What A Night! – die mitreißende Show mit den größten Hits von Grease bis Dirty Dancing. Im Mittelpunkt steht der Sound von Frankie Valli & The Four Seasons mit Klassikern wie „Can’t Take My Eyes Off You“ und „Bye Bye Baby“. Vier Darsteller und Live-Band feiern Doo-Wop, Motown und große Balladen in der BAR JEDER VERNUNFT. Feelgood Music at its best – ein Abend, der garantiert nicht im Sitzen endet.
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Berlin besser machen möchte auch die Stiftung Zukunft Berlin. Mit einem Satz, mit dem jeder Checkpoint beginnen könnte, lädt sie heute zum Gespräch: „Berlin verzettelt sich – und steht sich damit selbst im Weg.“ Ist Ihnen vermutlich auch schon aufgefallen. Um dem im Wahljahr etwas entgegenzusetzen, haben Berliner Persönlichkeiten nun im Rahmen des Berlin Forums ein neues Zukunftsbild entworfen.
Welche Grundsatzpositionen darin formuliert sind, lesen Sie heute in der Checkpoint-Vollversion.
Was Sie sonst noch verpassen, wenn Sie noch kein Abo haben? Zum Beispiel das hier:
+ „Für unsere Mörder ist der Krieg ein Segen“: Führende Berliner Linke bei Pro-Palästina-Demo.
+ Drei Mütter und acht Vorbilder: Diese Frauen haben Berlins Senatorinnen und Senatoren beeinflusst.
+ Vier Bezirke ohne Badestellen: Wo Berlin auf dem Trockenen sitzt.
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+ Den Comic „Berliner Schnuppen“ der großartigen Naomi Fearn.
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Und noch ein paar Leseempfehlungen:
+ Hier droht Berliner Siebtklässlern ein folgenschwerer Irrtum: An den Gemeinschaftsschulen gibt es weniger Platz, als viele denken.
+ Schwarze Listen für Mitarbeiter, Finanznot – aber Millionen für Berater: Berlins IT-Dienstleister im Krisenmodus
+ 10.000 Schritte durch Berlin: Der perfekte Frühlingsspaziergang für die ganze Familie – von Malchow nach Wartenberg.
Berliner Schnuppen
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Telegramm
Nur Geduld: Laut Geschäftsbericht 2025 dauern Verfahren am Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg im Schnitt fast 18 Monate, Berufungsverfahren brauchen sogar mehr als zwei Jahre (26,5 Monate). Gleichzeitig stieg die Zahl der Neueingänge um mehr als 25 Prozent. Ergebnis: ein Berg von 2298 unerledigten Verfahren.
Sie erinnern sich an die Verlosung des 2,8-Millionen-Penthouses am Boxi in Friedrichshain? Ein Dachdeckermeister aus Mittelfranken hat die Luxuswohnung gewonnen. Was er damit machen will, weiß er noch nicht – aus seiner Kleinstadt wegziehen jedenfalls nicht (wir haben ja aktuell auch genug Zuzug aus Bayern).
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Sie wohnen nicht ganz so modern? Dann haben Sie womöglich Anspruch auf einen Zuschuss für Schallschutzfenster oder Lüfter. Die Umweltverwaltung hat eine Förderrichtlinie veröffentlicht, inklusive Stadtplan: Demzufolge kommen die meisten Wohnhäuser entlang großer Hauptverkehrsstraßen für den Lärmschutz infrage. Wann der dann eingebaut wird? Tut tut tut tuuuuuuut.
Gastspiel der Komischen Oper in der Charlottenburger Fasanenstraße: Vor der Hausnummer 33 wird heute ein Stolperstein für den Komponisten Paul Abraham verlegt, der Förderverein hatte sich dafür eingesetzt. Die Nazis bezeichneten seine Werke 1933 als „entartet“. Er floh aus Berlin und geriet in Vergessenheit.
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Tagesspiegel Genuss-Menu meets POTS im The Ritz-Carlton, Berlin: Auch im Jahr 2026 führt Sie unsere „Genuss-Menu“-Reihe in das POTS im 5-Sterne Berliner Ritz-Carlton. Entdecken Sie dieses exklusiv von Executive Chef Lukas Bachl kreierte 4-Gang-Menu! Jetzt buchen!
Kurzer Blick ins Checkpoint-Postfach: Einladung zur Kunstinstallation „Der geschenkte Tag“ von Michael Müller im Neuen Museum. Ein Ein-Personen-Stück über den Tag, als der Landesparteitag die Karriere des Ex-Regierenden beendete? Leider nein: Der deutsch-britische Künstler Michael Müller stellt am 14. März sein monumentales Werk vor, inspiriert vom Mythos der Dioskuren Kastor und Polydeukes, griechischen Helden, die zwischen Hades und Olymp wanderten. Klingt dann doch wieder nach Landespolitik.
Wenn Sie auf Anhieb wissen, was sich hinter „L.A. Kush Cake“, „WhiteRuntz“ und „Sour Diesel“ verbirgt, kommen hier entspannende Nachrichten: Ab heute gibt’s bei Netto nicht nur Erdbeer-, Salat- und Gemüsepflanzen, sondern auch Cannabissamen zum Selbstanbau (14,99 Euro). Grüße an Cem Özdemir.
Aus dem Amtsblatt: Der „Pferdesportverein An der Buckower Feldmark e. V.“ hat sich aufgelöst. Gläubiger mögen ihre Ansprüche anmelden, bevor sie pferjähren.
Zitat
„Das ist der wohl bitterste Tag meines politischen Lebens.“
Wolfgang Kubicki, stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender, dessen Partei es in ihrem Stammland nicht mehr in den Landtag geschafft hat.
Kiekste
„Always look on the bright side of life“, scheint sich dieses Einhorn in der Gormannstraße in Mitte gedacht zu haben – und schaut fröhlich aus dem Fenster. Entdeckt und fotografiert von Checkpoint-Leserin Sabine Skott. Danke dafür! Schicken auch Sie uns Ihre schönsten, kuriosesten und überraschendsten Berlin-Momente an checkpoint@tagesspiegel.de und nehmen an unserem Kiekste-Fotowettbewerb in Kooperation mit DASBILD.BERLIN teil.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – „Lieber AKKI, unsere allerherzlichsten Glückwünsche zu Deinem heutigen Geburtstag wünschen Dir Deine Freunde aus der Nähe und Ferne. Wir stoßen auf Dich an. Deine Gruppe 10 Freunde“ / Katja Ebstein, bürgerlich Karin Ilse Überall, (81), Sängerin und Schauspielerin, ihr Künstlername leitet sich von der Epensteinstraße in Reinickendorf ab, wo sie lebte / Patrick Hausding (37), Wasserspringer, gewann bei vier Teilnahmen an Olympischen Sommerspielen eine Silbermedaille & zwei Bronzemedaillen / Giovanni di Lorenzo (67), italienisch-deutscher Journalist und Autor, Chefredakteur der „Zeit“, Mitherausgeber des Tagesspiegels
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn oder der Lieblingskollegin zum Geburtstag, den Großeltern zum Hochzeitstag oder einem Sportverein zum Jubiläum im Checkpoint gratulieren? Schicken Sie uns bis Redaktionsschluss (11 Uhr) einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de. +++
Gestorben – Wolfgang Ackermann, * 15. April 1958, verstorben am 18. Februar 2026 / Marianne Lindemann, * 5. Mai 1943, verstorben am 21. Februar 2026 / Dr. Wolfang Treeck, 4. Mai 1934, verstorben am 21. Januar 2026 / Hans -Joachim Wilke, * 2. Juli 1931, verstorben am 25. Februar 2026
Stolperstein – Grete Sobernheim (*1894) wurde in Breslau in eine wohlhabende jüdische Familie geboren. Ihr Vater war der Bankier Curt Josef Sobernheim. Sie erhielt Privatunterricht und studierte Musik. Später engagierte sie sich in der Wohlfahrtsfürsorge. Am 24. Oktober 1941 wurde Grete Sobernheim vom Bahnhof Grunewald in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. Dort überlebte sie nur wenige Monate und starb am 9. März 1942 an den katastrophalen Lebensbedingungen. Ein Stolperstein in der Tiergartenstr. 20/21 in Tiergarten erinnert an Grete Sobernheim.
Encore
Noch 291 Tage bis Weihnachten. Bezirksverordneter Philipp Seehofer (CDU) aus Tempelhof-Schöneberg erkundigte sich vorsichtshalber jetzt schon per Kleiner Anfrage (582/XXI): „Welche Maßnahmen sind erforderlich, um in der Friedenauer Rheinstraße in der Adventszeit eine Weihnachtsbeleuchtung zu installieren?“ Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grüne) hat keine frohe Botschaft: Es hakt vor allem am Geld. Eine dauerhafte Finanzierung durch Mittel aus der City Tax sei unwahrscheinlich, „da zwingend ein touristischer Mehrwert bestehen muss“. Und: „Friedenau ist im Tourismuskonzept nicht als Fokusgebiet ausgewiesen und somit nicht präferiert zu behandeln.“ Checkpoint-Profi-Tipp: Vielleicht hilft ein öffentlicher Aufschrei mit anschließender Sponsorensuche, bis die Glocken klingeln? (alle Jahre wieder am Ku’damm erprobt)
Fokussiert gearbeitet haben für diesen Checkpoint Stefan Jacobs, Lorenz Maroldt, Sönke Matschurek und Björn Seeling (Recherchen und Texte). Die Lebkuchen hat Tobias Langley-Hunt serviert (Stadtleben) und Jaqueline Frank das Lametta aufgehängt (Produktion). Morgen winken hier Margarethe Gallersdörfer und Sönke Matschurek vom Balkon.
Bis bald!
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