Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Bertram, ein freundlicher Keiler aus der Nachbarschaft, erklärte Chantal, der edlen Sau von Nebenan neulich, dass sie Gold sei. Gold sagte er, sei ihr, Achtung, „Persönlichkeitsmetall“. Das wisse er, weil er mit jahrtausendealtem Wissen nordischer Wildschweinkulturen auf das Engste vertraut sei. Schon sein Urururururururgroßvater habe sich auf Alchemie und Psyche verstanden und eine Tradition der Forschung und Lehre begründet, sagt Chantal. Erst sei sie skeptisch ob seiner Ausführungen gewesen, dann aber habe sie sich doch etwas Gold beschafft und seitdem gehe es ihr in der Tat besser, so im Allgemeinen. Da wurde ich natürlich ganz Schweineohr. Welches Metal wohl meines war? Blöderweise war Bertram verreist, so musste ich eigene Erkundigungen anstellen. „What‘s your Metal?“ sah ich zu meiner Freude auf einem Plakat zu einer Veranstaltung im Babelsberger Lindenpark geschrieben. Prompt machte ich mich auf. Da spielten welche so ohrenbetäubend laut Musik, dass ich mich nur mit aller lautestem Grunzen verständlich machen konnte. Immerhin grunzte einer von der Bühne freundlich zurück. Ob das eine Infoveranstaltung sei, fragte ich in die Runde, alle nickten. Ob ich hier erführe, welches Metal meines sei, fragte ich, wieder nickten alle. Aber welches Metal denn nun, Gold vielleicht? Wieder nickten alle. Details konnte ich nicht in Erfahrung bringen, verließ den Park aber dennoch in Vorfreude, Chantal davon zu erzählen. Die erklärte mir später aber, dass das Nicken wohl gar nicht mit mir, sondern mit der Heavy-Metal-Musik zu tun gehabt habe und „What’s your Metal“ doch keine Infoveranstaltung gewesen sei. „Headbangen“ heiße in Fachkreisen dieses Nicken. Hm, eine Kultur, die emphatisch und laut „Ja“ sagt, zu allem. Nicht schlecht eigentlich. Beste Voraussetzung, sich auf einen Spaziergang durch Babelsberg einzulassen, das empfehle ich. Und mich empfehle ich, mit freundlichen Grunzen.“