Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Die Höhe aller behördlichen Irreführung ist das, das sage ich Ihnen. Chantal, die an sich immer gut organisierte Sau von Nebenan, stand neulich am S-Bahnhof Köllnische Heide, auf mich wartend. Ich stand zugleich am S-Bahnhof an der Köllnischen Heide, auf Chantal wartend. Ich sah nicht allzu genau hin, denn selbstverständlich, so nahm ich an, würde der Bahnhof an der Köllnischen Heide auch derjenige sein, der Köllnische Heide heißt, nicht wahr? Nun, dem ist nicht so. Will man die Köllnische Heide beschauen, steigt man nämlich besser am S-Bahnhof Oberspree aus. Und nicht am S-Bahnhof Köllnische Heide. Jetzt wissen also auch Sie Bescheid. Wieso aber ist das so? Nun, die Gründe sind historischer Natur. Früher verwies der Name Köllnische Heide als Flurbezeichnung nämlich auf den gesamten Stadtwald linksseitig der Spree, dessen Ausmaß früher weit größer war als heute – und tatsächlich war beides, der Standort des heutigen S-Bahnhofs wie das Stück Wald bei Köpenick, ein und dieselbe Köllnische Heide. Demgegenüber lag die Schöne Weide – heute ebenfalls mit einem S-Bahnhof geehrt. Das gesamte Gebiet ist ausgesprochen erkundenswert, hier eine Sammlung von 20 schönen Wanderungen. Vorbildlich finde ich hier übrigens die Aufstellung liebevoll gestalteter Warnschilder, die Passierende daran erinnern, ihre Hunde aus Rücksicht auf Wildschweine an der Leine zu führen. Chantal findet ja, dass überhaupt gar niemand an die Leine gebunden gehört. Ich aber bin der Meinung, dass man bei Charakteren, die einen ungeniert ansabbern, durchaus eine Ausnahme machen kann. Das empfehle ich. Und mich empfehle ich, mit freundlichen Grunzen.“