Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Wer dieser Tage in den Wäldern der Mark unterwegs ist, kann es gar nicht übersehen: Rehe, Igel, Kaninchen, Füchse, Schmetterlinge und Libellen, Eichhörnchen, alle Vögel und natürlich auch wir, die Wildschweine, tragen Grünzeug im Haar, tanzen um die Bäume und singen Lieder vom Mittsommer. Ich für meinen Teil, ich kann es nicht mehr hören, Pardon. Nein, es ist nicht schön, dass die Tage so lang sind. Allmählich beschleicht mich sogar der Verdacht, dass all der Wahn und das Getue lediglich dem absolut unvergnüglichen Schlafmangel zu verdanken sind, den wir dank des vielen Lichts erleiden. Aber nicht nur das: So manches sieht im Dunkeln einfach besser aus, als bei Licht. Der Vorgarten bei Grunzharts gegenüber, zum Beispiel, mehr möchte ich dazu nicht sagen. Oder mein zerknautschtes Gesicht am frühen Morgen im Spiegel. Um die Mittagszeit herum ist es doch makellos, wieso also den Tag mit solch irreführender Selbst(v)erkenntnis beginnen? Darum treffen Sie mich am Morgen auch nicht im Freien an, sondern im Potsdamer museum FLUXUS+. Dort zeigen aktuell drei Kunststudierende Arbeiten, die nicht nur einen Bezug zur Gegenwart und somit zur Vergänglichkeit unhaltbarer Zustände haben, sondern auch von meiner Erscheinung ablenken. Und abends gehe ich mit Chantal, der feinsinnigen Sau von Nebenan, ins Konzert. Das Scharoun Ensemble spielt um 19.30 Uhr im Schlossgarten Petzow Franz Schuberts Oktett in F-Dur. Das wird bestimmt schön, obgleich natürlich nicht so lauschig dämmerig, wie man es von abendlichen Konzerten gewohnt ist. Halb so schlimm, schließe ich eben einfach meine Lider ohne Worte. Das empfehle ich. Und mich empfehle ich, mit freundlichen Grunzen.“