Mein Wochenende mit
Janina Urussowa ist Mitgründerin von Bezgraniz Couture, eines auf Inklusion und Selbstbestimmtheit spezialisierten Modeprojektes, Autorin des Buches „Das Neue Moskau“ und Gastdozentin an der HTW in Berlin.
„Ich habe Weißensee für mich entdeckt. Dorthin gehe ich am See spazieren – und das, obwohl die Gegend für mich, stärker noch als andere in Berlin, mit einer vor-apokalyptischen Stimmung getränkt ist und mich an die frühen Dreißiger denken lässt, als die Juden in Berlin noch vergnügt sein konnten, bevor es zu spät war. Auch letzte Woche bin ich dort gewesen. Und was meinen Eindruck steigerte war dieses Bild: Mein Blick fiel auf einen hohen Baumrest, also etwas mehr als ein Stumpf, mit abgesägten Ästen, offenbar aber völlig gesunder Substanz. Wer tut sowas, nimmt einem gesunden Baum seine Äste? Es war ein heißer Tag und man dachte sowieso an die Bäume, die so dringend Wasser brauchen, um durch den Sommer zu kommen. Und dann das: Im Landeanflug schien ein großes Flugzeug für eine Weile unbewegt in der Luft zu hängen, genau über dem Baum. Es handelte sich um ein Militärflugzeug – so ein riesiges Frachtflugzeug. Hier der verstümmelte, vermutlich sterbende Baum, über ihm dieses bedrohlich hängende Militärflugzeug und drumherum vergnügte Menschen in Cafés und spielende Kinder. Da fällt mir ein: In der Galerie Kuchling (Karl-Marx-Allee 123) ist gerade eine Ausstellung: „How to manage the Apocalypse?“. Ich werde mich also am Wochenende zum Weißensee aufmachen, die Gießkanne mitnehmen und einige Bäume wässern.“