Mein Wochenende mit
Chris Imler ist Musiker, Drum Dandy und Beat Prophet. Am Freitag veröffentlichte er seine neue 12-Inch „Country Club“ bei R.I.O. Das Releasekonzert im Urban Spree wurde auf den 9. Oktober verschoben. Foto: Max Zerrahn
„Ich versuche, den Vormittag nach dem Release meiner 12-Inch mit kleinstmöglicher Selbstbeteiligung und der ‚Bojack Horseman‘-Episode ‚Kommt ein Pferd in die Entzugsklinik‘ passieren zu lassen. Ich beschließe, auf dem Balkon zu frühstücken und werde von einem benachbarten Elsternnest aus beobachtet. Ich esse Joghurt mit Früchten, sie essen Würmer, Insekten, Spinnen, Schnecken, Vogeleier, Vogelküken. Man bleibt sich fremd. Auf der Suche nach Sinnangeboten gehe ich nach unten und lande in der Galerie Weserhalle. Nach Betrachtung der Exponate der Online-Fundraiser-Auktion wechsele ich in die Virtualität, um mitzusteigern. Im Laube-Späti trinke ich einen Magenbitter gegen die mich erfassende Melancholie in Anbetracht all der geschlossenen Eckkneipen, die mit ihrem Sinn fürs Sinnlose der Gegend hier erst Sinn geben. Gegen 18 Uhr gehe ich in die Neukölln Arkaden, um meinem Lieblingsänderungsschneider einen Zweiwegereißverschluss für meinen Anorak vorbeizubringen und bei Kaufland eine Tüte Snyders Cheese-Prezel zu kaufen. Anschließend spiele ich im nahegelegenen Club Sameheads ein weiteres Ghost-Concert im Rahmen der R.I.O.-Labelnacht. Um die dort entstehenden Derealisationsgefühle zu minimieren, esse ich währenddessen das zuvor gekaufte Partygebäck und trinke dazu kalten Kosakenkaffee. Zum Ausklang des Abends spiele ich im Schutze der Dunkelheit mit einem phosphoreszierenden Federball, um zu verschleiern, wie sehr ich mich in Wirklichkeit dem allgemeinen Bewegungsdiktat unterwerfe.“