Mein Wochenende mit
Nidal Bulbul ist, entgegen anderslautenden Meldungen, nicht der erste, der in Gaza einen Facebook-Account hatte. Aber er sei schon früh dran gewesen, sagt er. Früher Kriegsreporter, verließ er vor zehn Jahren angeschossen Gaza, um als Journalist zu arbeiten, betrieb dann ein Café in Kreuzberg. Kommenden Samstag eröffnet er in den Räumen des berühmten Farbfernsehers in der Skalitzer Straße 114 das Bulbul Berlin.
„Das letzte Wochenende vor Eröffnung des Bulbul ist für uns, also das ganze Team, voll mit Vorbereitungen. Wir machen am Samstag eine Generalprobe, das heißt, wir laden Nachbarn, Freunde, Musiker und alle Mitarbeiter ein, mit uns in geschlossener Runde zu feiern. Und bei der Gelegenheit überprüfen wir unsere Arbeitsabläufe, schauen, wo es eventuell haken könnte und holen so viel kritisches Feedback, wie irgend möglich von unseren Gästen ein, um schon mal die gröbsten Problemquellen auszuschließen. Die Arbeitsabläufe am Tresen müssen laufen, die Musikanlage braucht einen Soundcheck, Schichtenplan und Aufgabenverteilung müssen funktionieren. Wir starten zwar alle mit Erfahrung in dem Bereich, sind aber natürlich trotzdem ein neues Team in einer neuen Umgebung, das sich erst einspielen muss. Bei aller Arbeit, die das jetzt bedeutet, bin ich aber zuversichtlich und vorfreudig, dass alles gut klappt. Das ist mir auch wichtig, weil es nicht irgendeine Location ist. Wir haben eine emotionale Verbindung zum alten Farbfernseher. Clubsterben und die voranschreitende Verdrängung von Subkultur geht hier alle an. Unser Ziel ist es deshalb, den Laden weiterzubetreiben, aber ohne ihn exakt zu kopieren. Das ginge sowieso nicht. Aber es soll kein schickes Glanzlokal werden, das in der Kreuzberger Nachbarschaft nur Fremdkörper wäre, sondern ein Zufluchtsort, eine Bühne für DJ-Newcomer*innen aus aller Welt. Schön war, dass der Betreiber des alten Farbfernsehers, der hier vor Jahrzehnten tatsächlich noch Farbfernseher verkaufte, sich bei uns gemeldet und uns willkommen geheißen hat. Davon möchten wir etwas weitergeben.“