Mein Wochenende mit
Der Künstler Raviv Ganchrow macht in seiner Klanginstallation westhafen ground-electric im ZK/U tellurische Ströme aus der ganzen Welt hörbar.
Freitagabend eröffnet meine Ausstellung westhafen ground-electric im Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) in Moabit und das ganze Wochenende werde ich mit der Dokumentation verbringen, Fotos machen, Video und den Ton aufzeichnen. Man muss wissen, dass es in meiner Klanginstallation kein klassisches Kunstobjekt gibt, das man einfach einpacken und anderswo wieder aufstellen könnte. Die Arbeit ist aufs Engste mit dem Ort verbunden. Ich habe auf dem ZK/U-Gelände eine Apparatur verbaut, mit der ich sogenannte tellurische Ströme messe. Bei jeder Muskelbewegung, jedem Flügelschlag eines Insekts, Photosynthese, Änderungen in der Ionosphäre und den meisten technischen Vorgängen ist Elektrizität im Spiel und bei alledem fließen auch Ladungen in den Erdboden ab, die als eine Art Rauschen die tellurischen Ströme überlagern. Viele der Frequenzen liegen schon im Hörbereich – man muss im Grunde nur einen Lautsprecher anschließen, um sie hörbar zu machen. In dem Signal ist also abstrakt ganz Berlin zu hören, aber auch zum Beispiel Blitzeinschläge, die mehrere tausend Kilometer entfernt einschlagen können. Hier fließt also quasi die ganze Welt zusammen, aber nur an diesen genauen Koordinaten in Moabit klingt sie genau so. Ein bisschen erinnert das an die Geschichte des Ortes. Am Westhafen kamen Güterschiffe aus der ganzen Welt zusammen, deren Fracht hier auf Züge verladen und auf die Umgebung verteilt wurde. Heute ist das Gelände öffentlicher Raum, die ganze Nachbarschaft kommt hier zusammen – und meine Installation bringt vielleicht ein wenig des Gefühls von Weite zurück, das solchen Orten des Transits stets innewohnt.