Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. In diesen Zeiten bleibt er jedoch lieber im heimischen Bau und kocht, aus Gründen der Selbsterhaltung, feine vegetarische Gerichte.
„Die allgemeine Freude über die Öffnung der Außengastronomie ist mir, ehrlich gesagt, etwas rätselhaft. Essen ist schließlich eine äußerst intime Angelegenheit, die man nur im äußersten Notfall in aller Öffentlichkeit betreiben sollte. Ich möchte betonen, dass diese meine Haltung keineswegs von meinen schweinischen Tischmanieren rührt. Wenn es schmeckt, darf sich das auch im Benehmen widerspiegeln, das für anderer Augen womöglich ungeeignet ist. Aber nein, für Geschmack und dessen Nebeneffekte muss man sich nun wirklich nicht entschuldigen. Es ist vielmehr meine gute Erziehung, aufgrund derer ich schon immer ein gewisses Unbehagen empfinde, vor anderer Aug und Ohr zu kauen, zu schlingen und zu schlucken. Wie dem auch sei, in diesen modernen Zeiten kommt man damit erfahrungsgemäß nicht allzu weit, weshalb ich, einsichtig, wie ich bin, an mir arbeite. Heute Abend etwa werde ich mit Chantal, der werten Sau von nebenan, auswärts dinieren. Und um das Ganze für mich so angenehm wie möglich zu gestalten, kommt Spargel auf meinen Teller, der, wie es sich im öffentlichen Raum ziemt, bekleidet sein wird. Genauer: Er wird vor dem Verzehr in einen Blätterteigmantel gehüllt und so vor indiskreten Blicken verhüllt. So sieht immerhin niemand, was ich esse, das ist doch auch was. Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“