Mein Wochenende mit
Niccolò Bonanno schweißt in Kreuzberg schnelle Fahrräder aus modernem Stahl. Zur Entschleunigung, wie er sagt.
„Ich beginne mit dem Baretto. Eigentlich bin ich meistens am Montagmorgen da. Das Café gehört Freunden und sorgt für einen guten Start in die Woche. Aber warum nicht auch ins Wochenende? Wie am Montag gehe ich schließlich auch am Samstag anschließend in die Werkstatt. Meistens treffe ich dann Kunden, die von weit her angereist kommen. Die wichtigste Mission des Tages besteht aber ganz klar im Wäschewaschen – die Arbeit sorgt für wahre Berge, die sich unter der Woche ansammeln. Jedes Mal ein Großprojekt. Dann setze ich mich auf mein Rad und fahre am liebsten nordwärts aus der Stadt raus. Auch wenn ich dafür erst das halbe Berlin durchqueren muss, lohnt sich der Weg zum Bernsteinsee bei Ruhlsdorf zum Beispiel. Oder zum Liebnitzsee. Idealerweise mit Abkühlung im Wasser und Übernachtung auf einer Isomatte. Klappt aber leider oft nicht, weil aus der Woche noch so viele Aufgaben anliegen, dass ich aus der Werkstatt kaum rauskomme. Und die müssen am Samstag erledigt werden, damit der Sonntag richtig frei wird. Komischerweise zieht es mich auch dann in die Werkstatt, weil sie am Wochenende, wenn kein Druck anliegt, eine ganz andere Atmosphäre verströmt. Man kommt auf Ideen, wenn man hier in Ruhe durchfegt, Werkzeug pflegt, oder einfach einen Kaffee trinkt. Und über das nachdenkt, was man so macht. Diesen Sonntag fahren zwei meiner Räder bei Paris Brest Paris mit, das werde ich sicher verfolgen. Und zum Schluss trinke ich gern ein Bier, zum Beispiel beim Elefanten oder nebenan im Goldenen Hahn mit Freundin, Freunden, Fremden. Irgendwo, wo Menschen sind – dazu verpflichte ich mich bewusst, um hier nicht mürrisch zu werden.“