Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Neulich putze ich mir, wie jeden Morgen, die Hauer. Im einen Huf die Bürste, im andern der Zahnputzbecher, schrubb, schrubb, vorne, hinten, oben, unten – Sie kennen das. Plötzlich, wundere ich mich, sitzt neben mir auf der Badewannenkante Chantal, die liebreizende Sau von Nebenan, und schrubbt ebenfalls. ‚Hallo Chantal‘, sage ich. Keine Reaktion. ,Chantal?‘ Wie ist es möglich, dass sie mich offenbar gar nicht wahrnimmt? Sicher, ich drücke mich nicht allzu verständlich aus – Sie wissen, schrubb, schrubb. Aber das? ‚Chantal?‘. Nichts, nur Schaum. Plötzlich: ganz schön viel Schaum, regelrechter Meeresschaum! Jetzt regnet es auch noch, oh nein, das Boot läuft ja voll! Schnell, denke ich, die Segel reffen, alles sichern – wie konnten wir nur so unaufmerksam sein! ‚Chantal!‘ rufe ich, ‚wir sinken!‘ Keine Reaktion. Hier, der Zahnputzbecher, muss Wasser schöpfen, über die Reling damit! Das Boot fliegt in den Wellen umher, der Horizont verfinstert sich, der gewaltige Wind scheint keine Richtung zu haben. Da hinten blitzt es, näher kommend, ganz klar näher kommend! Ich blicke zu Chantal, doch da ist sie nicht mehr. Gerade sehe ich noch, wie ihre Flosse in der Welle verschwindet, ,Kevin?‘, höre ich, ,Kevin!‘, ihre Stimme plötzlich sagen, öffne halb die müden Augen. Da ist sie ja, hat mir Kaffee gebracht. Und mich vor dem Sturm gerettet. ‚Danke‘, sage ich, ‚guten Morgen‘, sagt sie. Und, dass sie in der Waldwerk Kaffeerösterei in Lychen Kaffee rösten gelernt hat, ich solle mal probieren. Da könnten wir auch mal zusammen hin, und bei schönem Wetter die wunderbare Uckermärkische Seenlandschaft per Paddelboot erkunden. ‚Mmmmmmm‘ sage ich, am Kaffee nippend, ‚wie aufregend‘. Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“ (von Thomas Wochnik)