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Leseempfehlungen
Für Marcel Reich-Ranicki war er einer der Allergrößten – und auch Suhrkamp-Chef Siegfried Unseld hat nicht nur größtes Vertrauen in sein schriftstellerisches Können, sondern auch eine Menge Geld in sein immer neues Buch gesteckt, das niemals fertig wurde. Wolfgang Koeppen ist ein einzigartiges Phänomen der Literaturgeschichte. Dreißig Jahre lang, von 1962 bis 1992, erschienen immer wieder Ankündigungen seines neuen Werkes in Suhrkamp-Prospekten, jedoch ist kaum etwas je fertiggeworden. Fertiggeschrieben, publiziert und der eigentliche Grund für Koeppens legendären Ruf als brillanter Autor sind drei Bücher aus den frühen Fünfzigern: Tauben im Gras, Das Treibhaus und Der Tod in Rom, die ausgerechnet als seine Trilogie des Scheiterns in die Literaturgeschichte eingegangen sind.
Im Pop ist mit dem Scheitern ja sowieso zu rechnen, weshalb träumende Jugendliche in jeder (elterlichen) Karriereberatung zu hören bekommen, dass sie doch lieber was Vernünftiges lernen sollen. Was diese Beratungen meistens nicht so ganz verstehen, ist, dass eben das Scheitern, das richtige, fulminante, spektakuläre Scheitern vor möglichst großem Publikum nach wie vor als der größte Erfolg gilt. So steht es schon in der Bibel, dem immerhin populärsten Buch der Geschichte.
Auch Musikexpress-Autor und Popliterat Linus Volkmann hat erst kürzlich ein Buch darüber geschrieben, wie man trotz geringen Aufstiegs richtig tief fallen kann, oder so ähnlich. Im Rahmen von Krawalle & Liebe #10 im Literaturforum im Brechthaus (Chausseestraße 125, U-Bhf Oranienburger Tor) hat er kommenden Donnerstag um 20 Uhr einen Gastauftritt – neben seinem Talk geht es bei dem Pop-Theorie-Gesprächsabend um „die feministische Musikgeschichte von 1950 bis heute“. Eintritt 5/3 Euro