SPD will den Tempelhofer Rand bebauen
Sind Sie bereit? Die Berliner SPD ist es. Zumindest steht das gleich mehrfach in einem Papier zur Zukunft des „Tempelhofer Randes“. Tempelhofer was? Weil der Regierende und seine Parteikollegen mit dem Terminus „Randbebauung des Tempelhofer Feldes“ bisher nur mäßigen Erfolg gehabt haben, musste wohl ein neuer Name her. Gemeint ist aber das Gleiche: Das Tempelhofer Feld soll bebaut werden. „Verändern sich die Rahmenbedingungen, müssen Ansätze und Beschlüsse überdacht und auch manch althergebrachte Tradition überprüft werden“, schreiben Sven Kohlmeier, Lars Rauchfuß und Harald Georgii. So weit, so bekannt als Forderung. Die Genossen haben sich auf ihrem Parteitag im November bereits für eine sozialverträgliche Randbebauung ausgesprochen.
Doch nun wird es konkreter: Die östliche Seite des Tempelhofer Damms und den südlichen Rand des Feldes hin zur Autobahn schlagen die Verfasser des Papiers für den Wohnungsbau vor. Bauen sollen ausschließlich landeseigene Wohnungsbaugesellschaften; die Nettokaltmieten 6,50 Euro kosten. Und entscheiden darf die ganze Stadt – von Reinickendorf bis Neukölln, von Hellersdorf bis Spandau. Und zwar über die Ergebnisse eines Ideenwettbewerbs, der zeigen soll, wie der Neubau bezahlbarer Wohnungen und die einzigartige Freiheit auf dem Feld zusammenpassen.
Den erneuten Tempelhofer Anlauf begründen die Herren geschickt mit dem Mietendeckel: Den, so die Behauptung, würden die Gerichte nur akzeptieren, „wenn zugleich alle Anstrengungen auf dem Wohnungsmarkt unternommen werden, darunter auch Neubau“. Und wann sollen die Bagger anrollen? Dafür brauche es zunächst eine erneute Abstimmung der Bevölkerung – „aus Respekt vor dem Volksentscheid“. Die planen die Genossen zu den nächsten Berlin-Wahlen 2021. Dann blieben noch zwei Jahre, um „mit der Stadtgesellschaft das ob und wie der Bebauung zu beraten“. Entscheidend ist aus Sicht von Kohlmeier, Rauchfuß und Georgii die Form der Abstimmung. Für die SPD kommt dafür auch eine Volksbefragung durch das Abgeordnetenhaus infrage – dieses Instrument sehen die Koalitionspartner allerdings noch kritisch. Genau wie die Bebauung des Tempelhofer Feldes, äh, Randes, selbst.