„Das Vorgehen der Berliner Behörden ist skandalös“: Ukraine-Helfer benötigen jetzt Personenbeförderungsscheine

Viele Freiwillige helfen gerade auch bei Fahrdiensten für geflüchtete Ukrainer. Offiziell soll das jetzt nicht mehr gehen. Ein verhinderter Helfer berichtet. Von Lorenz Maroldt.

„Das Vorgehen der Berliner Behörden ist skandalös“: Ukraine-Helfer benötigen jetzt Personenbeförderungsscheine
Foto: Stefan Trappe/Imago

Seit Kriegsbeginn helfen Freiwillige („Ukraine Arrival Support“) an den Stützpunkten der Malteser bei der Ankunftsbetreuung, der Vermittlung von Unterkünften und mit Fahrdiensten. Am Sonntag kam einer der Fahrer zu seinem planmäßigen Einsatz am ZOB – und musste feststellen, dass ihm sein Einsatz aufgrund einer behördlichen Anordnung nicht mehr erlaubt ist: Die Helfer benötigen ab sofort einen Personenbeförderungsschein, so wie „geschäftsmäßige“ Chauffeure von z.B. Taxis und Krankenwagen.

Dem Checkpoint sagte der verhinderte Helfer:

Das Vorgehen der Berliner Behörden ist skandalös. In Zeiten wie diesen, wo es auf schnelle unbürokratische Hilfe ankommt, wo hunderte Freiwillige Zeit, Geld und Herzblut investieren – in solchen Zeiten zieht die Bürokratie ihre Verwaltungsvorschriften durch? Ich habe am Donnerstag eine junge Ukrainerin und ihre Großmutter gefahren. Die 85-jährige Dame wurde bombardiert, hat dabei Brandverletzungen erlitten und wurde samt Hund von ihrer Enkeltochter aus der Ostukraine herausgeholt. Ich habe die Damen vom DRK-Krankenhaus Westend zu ihrer Unterkunft gefahren. Wenn es nach den Berliner Behörden gegangen wäre, hätte ich den beiden nicht helfen dürfen.“

Es kommentiert der Chemie-Nobelpreisträger Richard R. Ernst: „Wenn es einen Nobelpreis für Bürokratie gäbe, würde er oft nach Deutschland gehen.“