Nach menschenfeindlichen Attacken in Berlin: Verein „Gesicht zeigen“ gibt Tipps zur Zivilcourage
Wie reagiert man in grenzwertigen oder bedrohlichen Situationen? Indem man Betroffene nicht allein lässt, etwa. Wie Zivilcourage und Selbstschutz gelingen verrät eine Expertin. Von Maragethe Gallersdörfer
Zivilcourage ist das Gebot jeder Stunde – aber wüssten Sie spontan, was zu tun ist, wenn ein jüdischer Teenager attackiert oder eine Betrunkene am Badesee rassistisch wird? Viel zu oft bekommen Betroffene in solchen Situationen den Eindruck, Umstehende ignorierten ihre Notlage. Sophia Oppermann vom Berliner Zivilcourage-Verein „Gesicht zeigen“ hat uns ein paar Tipps gegeben, wie es besser geht:
„Das Wichtigste ist dann, die betroffenen Personen nicht allein zu lassen. Vermitteln Sie ihnen das Gefühl, dass Sie die Situation wahrnehmen, dass Sie an ihrer Seite stehen, und dass Sie sehen, was da gerade passiert.“
„Es ist gut, die Betroffenen direkt anzusprechen und zu fragen: Brauchen Sie vielleicht Hilfe? Soll ich Ihnen aus dieser Situation heraushelfen? Soll ich die Polizei rufen?“
„Versuchen Sie, andere mit ins Boot zu holen, indem Sie sie direkt ansprechen: Sie da, mit dem blauen Pulli, können Sie mir hier helfen? Ich glaube, die Person braucht unsere Hilfe.“
Wichtig ist die eigene Sicherheit:
„Halten Sie ausreichend Abstand, bleiben Sie höflich, adressieren Sie immer die Betroffenen und nicht die Angreifenden.“
„Sie können die Polizei rufen und das auch mitteilen, sodass Angreifer und Betroffene das mitbekommen.“
„Wenn der Konflikt zu eskalieren droht, versuchen Sie aus dem sicheren Abstand, Aufmerksamkeit zu erzeugen und Umstehende zu aktivieren.“
Hier finden Sie eine Broschüre mit Tipps. Und weil man Zivilcourage lernen kann, bietet „Gesicht zeigen“ auch Spiele und Workshops für Jugendliche an, in denen genau solche Situationen trainiert werden.