Mit dem Glühwein in die Ausgangssperre

Wer am Wochenende in Berlin unterwegs war, konnte dagegen den Eindruck bekommen, das Motto lautet: Jetzt erst recht. DerGlühwein to goist zur rezeptfreien Überlebensmedizin geworden – für Spaziergänger, Shopper und Wirte im Lockdown (dazu auch heute unser „Encore“). Solange ein Becherchen mit Ruhe und Abstand genossen wird, ist dagegen wenig zu sagen. Doch offenbar halten viel zu viele Menschen aufgewärmten Alkohol bereits nach dem ersten Schluck für einen Zaubertrank, der sie immun macht gegen Viren aller Art. Die Zahlen (ja, wieder mal) weisen auf das Gegenteil hin.

In Bayern ruft Ministerpräsident Markus Söder deshalb jetzt den „Katastrophenfall“ aus – und das bedeutet u.a.: Ausgang nur noch aus einem besonderen Grund, außerdem kein Glühwein mehr in der Öffentlichkeit (und dort auch sonst kein Alkohol). Es kommentiert Michael Müller: „An der Berliner Regelung können sich andere Länder gern orientieren“ – er meint die strengeren Regeln zu Weihnachten. Aber ob das reicht, angesichts der täglich zu besichtigenden Eigenverantwortungslosigkeit und sich füllender Intensivstationen? Zwei von drei Berliner Warnampeln zeigen jedenfalls rot.