Physik mit dem Checkpoint: Tempo 50 und Verkehrssicherheit passen nicht zusammen
Während die von der Verkehrsverwaltung gezündete Stinkbombe weiter die Atmosphäre zwischen Senat und Bezirken prägt, schauen wir mal auf den zweiten Teil jenes Erlasses, der vorletzte Woche an die Bezirksämter ging, deren Mailadresse gerade zur Hand war. Der betrifft Tempo 30, das nicht mehr „proaktiv von Amtswegen“ (Welche Amtswege? Anm. d. Red.), nicht auf „langen Strecken“ und auch nicht für Lückenschlüsse angeordnet werden darf. Am Wochenende nach dem Ukas, zum Tag der Verkehrssicherheit, twitterte CDU-Senatorin Manja Schreiner: „Verkehrssicherheit hat für mich höchste Priorität.“ Dahinter hätte eventuell ein Zwinkersmiley gehört, wie ein Crashkurs Physik mit dem Checkpoint erweist: Da die Bewegungsenergie von Fahrzeugen im Quadrat der Geschwindigkeit zunimmt, bedeutet Tempo 50 statt 30 den 2,8-fachen Bremsweg oder die 2,8-fache Aufprallwucht.
Die am Mittwoch gestellte CP-Anfrage, ob und wie sich Schreiners Bekenntnis mit der Physik in Einklang bringen lässt, hat die Verkehrsverwaltung bisher nicht beantwortet. Dafür sah sich die Pressestelle am Samstagabend zu einem Dementi in anderer Sache veranlasst: „Alle Meldungen über einen geplanten Stopp von Straßenbahnprojekten sind falsch.“ Zuvor hatte der Fahrgastverband Igeb anderes läuten hören.