Senat wirbt fürs Radfahren – mit Menschen auf märkischer Schotterpiste
Der Senat ruft wieder zum „Stadtradeln“: Unternehmen, Behörden, Schulen und Vereine können sich anmelden, um vom 30. Mai bis zum 19. Juni den Berliner Kilometerrekord im bundesweiten Großstadtwettbewerb zu verteidigen. Als Highlights dieses Jahres empfiehlt die Verkehrsverwaltung die ADFC-Sternfahrt am 2. Juni samt „Fahrradtag“ im Technikmuseum sowie geführte Touren und Routentipps des Zentrums für Industriekultur. Aber warum wirbt die Verwaltung fürs Stadtradeln mit Motiven wie jenen Menschen, die sich über eine Schotterpiste durch märkische Weite kämpfen, hinter sich am Horizont einen schiefen Fernsehturm und den Schöneberger Gasometer? „Die Gestaltung beruht auf einem modularen Konzept, das die Vielfalt Berlins widerspiegelt und bereits seit letztem Jahr genutzt wird“, heißt es auf CP-Anfrage. Im vergangenen Jahr kämpfte sich eine Lastenrad-Mutti mit drei Kindern in der Holzkiste gut gelaunt zwischen Ost-Platten und Funkturm bergauf. Sei’s drum, die Leute machen ja trotzdem mit.
Allerdings brauchen sie dafür ein Fahrrad, das man in Berlin bekanntlich jederzeit loswerden kann, wie unsere wöchentliche Fahrradklau-Bilanz auf Basis der Polizeidaten zeigt: 258 Fahrräder im Gesamtwert von knapp 343.000 Euro wurden in der vergangenen Woche in Berlin als gestohlen gemeldet, gut die Hälfte davon innerhalb des Rings. Höchster Diebstahlwert: 8150 Euro. Gesamtschaden der seit Jahresbeginn als geklaut angezeigten Räder: 7.983.968 Euro. Wenn die Aufklärungsquote sich auf dem Niveau der Vorjahre hält, sind von den 6309 seit Jahresbeginn verschwundenen Rädern mindestens 6000 auf Nimmerwiedersehen weg. Auf unserer Fahrraddiebstahl-Karte sehen Sie, wie die Lage in Ihrem Kiez ist.