Nachkommen des Kaisers wollen Schloss Cecilienhof zurück
das Wochenende beginnt mit Klopfzeichen aus der Gruft der deutschen Kaisergeschichte: Die Hohenzollern mit ihrem Oberhaupt Georg Friedrich Prinz von Preußen erheben Ansprüche auf tausende Kunstwerke aus öffentlichen Museen in Berlin und Brandenburg – und damit nicht genug: Der Ururenkel von Wilhelm II. begehrt ein dauerhaftes unentgeltliches Wohnrecht im Potsdamer Schloss Cecilienhof sowie ein ebenfalls dauerhaftes unentgeltliches und im Grundbuch verbrieftes Nutzungsrecht auf einem Schlossgrundstück für private, öffentliche oder gesellschaftliche Anlässe als Veranstaltungsort.
Und falls Sie jetzt denken, das sei alles Kaiserschmarrn: Die Forderungen sind Teil von streng geheimen Verhandlungen der Hohenzollern mit dem Bund sowie den Ländern Berlin und Brandenburg. Mein Kollege Thorsten Metzner hat wochenlang in dieser Sache recherchiert, ihm liegen die entscheidenden Unterlagen vor, seine große Geschichte können Sie heute auf drei Seiten im Tagesspiegel lesen.
Das Bundeskanzleramt hat die Maximalforderungen der Kaiserfamilie zwar zurückgewiesen, dennoch sind die staatlichen Stellen zu bemerkenswerten Kompromissen und Zugeständnissen bereit – in einem unstrittigen Vergleichsentwurf werden rechtliche Unklarheiten konstatiert. Und um den Druck zu erhöhen, kündigten die Hohenzollern Leihverträge mit der Preußischen Schlösserstiftung für Exponate aus dem Familieneigentum. Als Mediator wurde der frühere Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz eingeschaltet.
Und es wird weiterverhandelt – das Kanzleramt schlägt den Kaisernachfahren einen Termin am 24. Juli vor, „um zu beraten, ob es noch einen Lösungsweg in dieser Angelegenheit gibt“. Na hoffentlich läuft das nicht auf einen Ämtertausch hinaus. Mehr zum Thema exklusiv für Abonnenten gleich im Interview: Wir haben Kaiser Wilhelm II. gefragt, was er von der Sache hält. Seine originalen Antworten sind, nun ja: erstaunlich originell…