Gefahren für Juden und Homosexuelle: Die diffuse Warnung der Berliner Polizeipräsidentin Slowik

Barbara Slowik warnt in Berlin vor Kriminalität, sagt aber nicht konkret, wo. Auf Nachfragen weicht sie aus und sagt, Berlin sei eine sichere Stadt, man sollte jedoch immer wachsam sein. Von Jessica Gummersbach

Gefahren für Juden und Homosexuelle: Die diffuse Warnung der Berliner Polizeipräsidentin Slowik
Foto: IMAGO/Jochen Eckel

Wir bleiben beim Blaulicht… Mit einer diffusen Warnung hat es Berlins Polizeipräsidentin ins internationale Rampenlicht geschafft: Unter anderem berichten der britische „Telegraph“, der französische „Le Figaro“, das US-Magazin „Newsweek“ und die israelische Zeitung „Haaretz“. Und das kam so: Im Interview mit der „Berliner Zeitung“ riet Barbara Slowik Juden und Homosexuellen vor einigen Tagen, in bestimmten Gegenden besonders vorsichtig zu sein. Sie warnte zudem vor Quartieren, „in denen mehrheitlich arabischstämmige Menschen wohnen, die auch Sympathien für Terrorgruppen hegen.“ Rückendeckung kam von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU): „Sie spricht die Probleme offen an.“

Offen spricht allerdings niemand aus, wo konkret sich diese Gegenden und Quartiere befinden sollen. „Jüdinnen und Juden sind genau wie queere Menschen in unserer Stadt sicher!“, antwortet Barbara Slowik auf Anfrage ausweichend. „Wachsam sollte man ohnehin in vielen Metropolen an bestimmten öffentlichen Orten zum Selbstschutz vor jedweder Kriminalität sein.“ Und: „Die Polizei Berlin steht als verlässlicher Ansprechpartner für Ihre Sicherheit und Ihren Schutz in dieser Stadt.“ Wenig erhellend.

Konkreter werden Berliner Projekte, die diskriminierende Vorfälle dokumentieren: Schwerpunkt für antisemitische Gewalt seien die Innenstadtbezirke, sagt Kati Becker von den Berliner Registern, wobei es in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg mehr Vorfälle gebe als in Neukölln. Auch queerfeindliche Gewalt werde vor allem aus der Innenstadt gemeldet. Becker sagt aber auch: Juden und queere Menschen werden überall dort bedroht, wo sie sichtbar sind. „Wo sich die Betroffenen sicher(er) fühlen, tragen sie ihre Symbole offen und werden dann angegriffen.“ Gewalttäter halten sich eben selten an die Grenzen ihrer Kieze.