Gewalt zu Silvester: „Es sind die hoffnungslos Abgehängten“

rohes neues Jahr! Nach der durchgeknallten Silvester-Nacht in Neukölln und Schöneberg mit kriminellen Angriffen auf Rettungs- und Sicherheitskräfte wird selbst der Feuerwerksbranche angst und bange. Der in Berlin ansässige Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk verkroch sich am Dienstag offenbar mit einem Knalltrauma und ließ sämtliche Checkpoint-Anfragen per Mail und Telefon nach Konsequenzen für einen künftigen Böllerverkauf ungehört liegen. Dabei kann das gezielte Ballern mit Schreckschuss- und Leuchtmunition auf Polizei und Feuerwehr kaum im Sinne der Raketenhersteller sein.

Hören wir also stattdessen Betroffenen zu, die dabei waren und deren Botschaft nicht ungehört verhallen sollte. Zunächst Benjamin Jendro, der für die Gewerkschaft der Polizei und damit für viele angegriffene Beamtinnen und Beamten spricht: „Waffen gehören in die Hände von Profis. Für Schreckschusspistolen braucht es eine Registrierungspflicht, diese gibt es beim Kauf bisher nicht. Selbst für Polizisten sind diese Waffen nicht von echten zu unterscheiden.“

Feuerwehrmann Baris Coban, der mit seinem Löschzug in der Silvesternacht von Hunderten Jugendlichen angegriffen worden war, spricht über die Täter (via RBB): „Ich nenne das Kind beim Namen. Die Leute, die hier auf uns geschmissen haben, diese ganzen Böller und Knaller und Flaschen, das waren keine Linksautonomen, die ein Problem mit dem System haben. Das waren junge Heranwachsende, größtenteils mit Migrationshintergrund. Und das sage ich, obwohl ich selbst einen Migrationshintergrund habe. Mein ganzes Leben kämpfe ich gegen Vorurteile an. Aber was soll ich denn da noch sagen?“

Aufschlussreich auch die Stimme von Güner Balci, Integrationsbeauftragte von Neukölln (via „Spiegel“), die das soziale Umfeld der fast ausschließlich männlichen Gewalttäter ausleuchtet: „Einige der Täter kenne ich und weiß, um wen es sich handelt. Es sind die hoffnungslos Abgehängten, platt gesagt: absolute Loser. Wir haben diese Tendenz in allen Großstädten, stets in abgehängten Milieus. Es gibt Subkulturen der Gescheiterten, die sich als Gegner des Staates sehen. Ihr kultureller Hintergrund spielt dabei keine Rolle. Das sind totale Dumpfbacken, die anders als vor 20 Jahren jetzt über die sozialen Medien einen großen Wirkungskreis haben.“

Was also hilft ein Böllerverbot, solange wir es nicht für geboten halten, über die Abgehängten in unserer Stadt nachzudenken – und über Strafen für missbräuchlichen Waffengebrauch, die mehr Strahlkraft entfalten als eine bundespolitisch krepierende Feuerwerksdebatte?