Plötzlich muss es schnell gehen

Fünf Jahre nach dem geplatzten BER-Start wächst in Brandenburgs Landesregierung das Interesse, selbst mal ein bisschen auf Tempo zu machen - im Herbst 2019 wird ein neuer Landtag gewählt, da würde eine Eröffnung im Sommer 2019 prima passen. Womöglich fällt in Potsdam ja jemandem ein, wer die Dienstaufsicht hat über das sperrige Landratsamt Dahme-Spreewald. Der Plan: Testbetrieb vor Freigabe, Eröffnung vor Restmängelbeseitigung.

Aus Anlass des Fünfjährigen habe ich mir noch mal die Kommentare von damals angeschaut - die Illusion einer nur knapp verpatzen Eröffnung war weit verbreitet. Im Tagesspiegel-Leitartikel zum Desaster z.B. hieß es unter der Überschrift „Berliner Luftnummer“ zwar, das Scheitern war vorherzusehen, aber: „Zwanzig Jahre wurde geplant und gebaut, für die kommenden fünfzig Jahre, Milliarden haben die Gesellschafter investiert – da erscheinen die Extrawochen und Extramillionen irgendwann zwangsläufig als Anekdote.“ Tja, da hatte ich mich wohl um ein paar tausend Milliönchen vertan.

Zu Pfingsten wurde übrigens wieder über den Turmbau zu Babel gepredigt: „Wohlauf, lasst uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!“ (1. Mose 11:7) Wenn man sich die Fünfjahres-Bilanz in Schönefeld anschaut, fällt auf: So etwas muss auch beim Flughafenbau zu BERbel passiert sein - zu göttlich geplant, um menschlich errichtet werden zu können. Die notwendigen Terminal-Anbauten sollen sich deshalb auch am einfachen Industriestandard orientieren (funktioniert per Zeichensprache).