Neue Serie über Berliner Boulevardzeitung

Enthüllungen und wilde Gerüchte liefern den Stoff für Autorenträume. Ließe sich daraus auch eine Serie über eine Boulevardzeitung machen? Eine Checkpoint-Glosse. Von Lorenz Maroldt.

Neue Serie über Berliner Boulevardzeitung
Foto: Sven Bosse/picture alliance/dpa

Am Wochenende wurde der Checkpoint gebeten, das Drehbuch für eine siebenteilige Serie über eine große Boulevardzeitung zu schreiben. Wir haben uns natürlich gleich an die Arbeit gemacht! Hier der Plot:

Erste Szene: Ein Promi-Restaurant in Mitte. Der Chefredakteur drückt schwungvoll die Tür auf, ein Kellner kann gerade noch zur Seite springen. Leichtes Aufstöhnen: Der schon wieder! Zweimal haben sie ihm bereits gesagt, er soll sich die Nase woanders pudern. Doch das stört den Chefredakteur nicht. Schließlich hat er (ja: er!) dem russischen Ministerpräsidenten gerade seine Meinung diktiert! Er scannt wie immer schnell den Raum. Und da entdeckt er sie: Seine… ähm… Assistentin! Auf dem Schoß dieses schriftstellernden Pop-Journalisten! Er tippt schnell eine Nachricht: „Wenn Du mit dem… dann brauchst Du morgen nicht mehr ins Büro zu kommen!“

Zweite Szene: Eine Agentur in München. Die Chefin ist außer sich: „Zur Hölle mit dem Kerl!“, schreit sie – der Chefredakteur hat ihr etwas vorgemacht, die ganze Zeit. Dabei hat sie ihm doch nicht nur die Partys aufgestellt. Und dann legt er ihr auch noch ein gefälschtes Papier vor! Das geht zu weit. Sie schwört Rache.

Dritte Szene: Dramatische Musik. Eine Kameradrohne nähert sich von außen einem Büro im Verlagsturm. Drinnen: Eine Krisensitzung der Sonderabteilung. „Jetzt hat sich auch noch dieser Anwalt gemeldet, das ist doch wohl ein Scherz!“, sagt einer. „Nein“, sagt ein anderer, „jetzt wird’s ernst“. Sie sortieren die Unterlagen. „Hat der wirklich ‚dann spring doch aus dem Fenster‘ gesagt“? - „Zuzutrauen wär’s ihm.“ - „Hm, ist das nicht die Tochter von der…“ – „Ja, und das ist die Tochter von dem…“ – „Weiß eigentlich der Chef-Chef davon?“ – „Glaube schon…“ - „Da müssen jetzt die Spezialisten ran.“

Vierte Szene: Ein TV-Studio. Der Moderator spricht über den Chefredakteur und lächelt maliziös: Der „Graf Koks von der Gasanstalt“ habe wohl gerade keine Zeit, „weil er so viele andere Fragen beantworten muss in einem umfangreichen Compliance-Verfahren.“ Harter Cut. Im Bild erscheint der Tweet eines Medienjournalisten: „Die entscheidende Frage ist nicht, ob der Chefredakteur Chef bleiben wird. Die entscheidende Frage ist, ob der Chef-Chef Chef bleiben wird.“ Wieder harter Cut: Im Bild erscheint der Screenshot einer Nachricht, Absender ist ein Kanzlerkandidatenkandidat: „Stimmt es, dass der Mini-Chef vom Chefredakteur sich ein Koks-Taxi auf eine Party beim Minister bestellt hat?“ Im Hintergrund singt ein Chor einen Kanon: „Fake. News. Fake. News…“ (Fortsetzung folgt).