Wie ein Berliner ein Schnelltest-Ergebnis bekommen hat, ohne einen Test gemacht zu haben

Bei der Apotheke, die das Ergebnis vermeldete, spricht man von einem Versehen. Für solche Fälle soll es laut Senat ein Beschwerdemanagement geben. Von Nina Breher.

Wie ein Berliner ein Schnelltest-Ergebnis bekommen hat, ohne einen Test gemacht zu haben
Foto: Jens Kalaene/dpa

Weder das gute Wetter noch die sinkenden Fallzahlen werden die kleinen Impf- und Testpannen in der Stadt reduzieren. Tagesspiegel-Leser Axel Goedecke jedenfalls staunte nicht schlecht, als er am Mittwochabend eine Mail öffnete: „Hier finden Sie Ihr Testergebnis“. Dazu ein PDF mit Unterschrift und negativem Ergebnis. Allerdings war Goedecke zu dem Termin nie erschienen. Mit der leisen Vorahnung, dass telepathische Antigentests (siehe CP-Meldung vom 7.4.) noch nicht für die breite Bevölkerung zugänglich sind, kontaktierte er diverse Stellen. „Die Apotheke antwortet nicht, das Gesundheitsamt interessiert sich nicht, der Anbieter reagiert nicht.“ Da haken wir doch nochmal nach: Auf Checkpoint-Anfrage bedauert die Apotheke, die in Berlin jeden Tag mehrere Hundert Tests durchführt, den Fehler. „Vermutlich hat der Bearbeiter sich verklickt. Oder etwas ist mit dem E-Mail-Versand falsch gelaufen.“ Ganz genau könne man das nicht nachvollziehen. Sobald die Mitarbeiter das Ergebnis per Klick verschickt haben, könne die Apotheke nicht mehr sehen, wohin. „Wir haben keinen ‚Gesendet‘-Ordner.“

Am Abend erreichen wir noch einen Sprecher der von der Apotheke genutzten Buchungssoftware „No-Q“, die die Firma „Vertical-Life GmbH“ mit Sitz in Italien erstellt hat. Die hat vor Corona übrigens Software für Kletterhallen entwickelt und hangelte sich 2020 spontan in die Pandemiebekämpfung. Sie geht ebenfalls von einem Fehler der Mitarbeiter aus. „Die haben wohl aus Versehen die falsche Person abgefertigt.“ Und: „Die Identität zu prüfen, liegt an den Testzentren.“ In einem Punkt aber widerspricht Vertical-Life: Es gebe durchaus einen Weg für die Apotheke, verschickte Mails anzusehen. Sie sehen schon: eine Hängepartie. Der Senat arbeitet dem Sprecher der Gesundheitsverwaltung, Moritz Quiske, zufolge daran, grundsätzlich „ein zentrales Beschwerdemanagement“ für falsche, fehlerhafte und gefälschte Coronatests aufzubauen, das „in absehbarer Zeit“ (…) voll operativ“ sein soll. Es habe bisher „einige wenige“ Fälle mit kriminellem Hintergrund gegeben, die man an die Ermittlungsbehörden übergeben habe.