Weniger Kraniche rasten in Brandenburg – wegen neuer Konkurrenz auf der Route

Die allherbstliche Pilgersaison für Berliner Naturfreunde geht zu Ende, denn in diesen Tagen dürften die meisten Kraniche ihr märkisches Mekka – die Felder und Teiche um Linum im Ruppiner Land – südwestwärts verlassen. Mit bis zu 51.000 Exemplaren wurden in dieser Saison weniger gezählt als in vergangenen Jahren; 2021 waren es sogar doppelt so viele. Sind die sogenannten Glücksvögel angesichts der Weltlage weitergezogen in ein erfreulicheres Paralleluniversum? Berlins Wildtiergott Derk Ehlert sieht keinen Grund zur Sorge. Zum einen seien die wöchentlichen Zählungen auch wetterabhängige Momentaufnahmen, zum anderen sei mit der wiedervernässten Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen eine attraktive Konkurrenz auf dem Weg in die spanischen Winterquartiere entstanden. In Brandenburg gebe es mehrere hundert Kranich-Brutpaare, in Berlin rund ein Dutzend. „Insofern sind wir gut aufgestellt“, auch wenn die Bestände insgesamt nicht mehr wachsen.

Für die Natur ist dieser Herbst bisher ein einziger Glücksfall. Dass dank ausgebliebener Stürme und Fröste noch so viel Laub an den Bäumen hänge, tue deren Fitness gut. Vor wenigen Tagen hat das Jahr bereits sein statistisches Regensoll von knapp 600 Litern pro Quadratmeter erfüllt – als erstes seit 2017. Nachdem es im Oktober sogar doppelt so viel geregnet hat wie üblich, ist zumindest die obere Bodenschicht gut durchnässt wie seit Jahren nicht. Wer je vorhatte, einen Baum zu pflanzen, sollte es jetzt tun. Sträucher gehen auch.