Saleh bekommt Gegenwind aus der eigenen Partei
Nach Raed Salehs jüngsten Äußerungen rumort es in der Berliner SPD. Doch wer auf Saleh zielt, trifft auch Giffey. Von Lorenz Maroldt
„Krönchen richten, weiterlaufen“ hatte Franziska Giffey ihrem Co-Vorsitzenden in spe Raed Saleh beim Checkpoint-Talk im Tipi empfohlen (CP v. 25.2.) – der war nach seinem demokratietheoretischen Unfall trotz Reputationstotalschaden gleich weiter zu Kurt Krömer gehumpelt, um sich dort auch noch den letzten verbliebenen Zahn ziehen zu lassen. Gestern besuchte das Kandidaten-Duo für die ersten gemeinsamen Fotos das Spandauer BMW-Werk, und hier reichte es für Saleh nicht mal für einen Platz als Beifahrer: Er lehnte nur an dem Motorrad, auf dem Giffey selbstbewusst im Sattel saß, den Lenker fest in der Hand.
Saleh braucht eher einen Helm als ein Krönchen – in der SPD brummt’s nach seinen jüngsten Ausflügen als politischer Bruchpilot wie im Motorblock einer 1200er. Die Kritik wird lauter – sogar im Kreisverband Neukölln, der Giffey und Saleh nominiert hatte. Und auch Saleh-Skeptiker Lars Rauchfuß legt nach – der SPD-Vorsitzende aus Tempelhof-Schöneberg sagte dem Checkpoint gestern Abend:
„Politische Führungsverantwortung in einer Partei zu tragen bedeutet auch, die Stimmung der Mitglieder dieser Partei nicht zu ignorieren, sondern sie wahr- und ernst zu nehmen. Augen zu und durch ist keine Strategie, die die Partei akzeptieren kann.“
Aber wer auf Saleh zielt, trifft auch Giffey – das hält viele noch davor zurück, sich aus der Deckung zu wagen. Andere haben da weniger Hemmungen: Filigran wie ein Mähdrescher pflügte kurz vor Mitternacht Michael Müllers Dichter und Denker Robert Drewnicki durch die sozialdemokratische Landschaft – per Twitter kommentierte er den Spandauer Auftritt der Motorrad-Gang aus Sicht der Senatskanzlei so: „Ich bin wohl doch ein wenig altmodisch. Ich stelle mich für Parteiämter immer auf SPD-Versammlungen vor und nicht in Werkhallen. O tempora, o mores.“ Die abgeschlagene Müller-Mannschaft hält es im Abgang offenbar wie einst Rolf Rüssmann beim Auswärtsspiel: „Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt“ – und wir dürfen gespannt sein aufs Rückspiel.