Das Nachtflug-Dilemma

Wie geht es weiter am Flughafen Tegel? Zum ersten Mal nach dem Volksentscheid trafen sich am Donnerstag die  Flughafen-Gesellschafter, um über das Votum (56 Prozent der Berliner stimmten für den Weiterbetrieb) und die Konsequenzen zu beraten. Ergebnis: Brandenburg und der Bund bleiben dabei – Tegel muss schließen. Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) taxierte die Kosten auf 500 bis 700 Millionen Euro, die allein Brandenburger Steuerzahler in zehn Jahren für den Weiterbetrieb zu zahlen hätten – für Schallschutz, Sanierung und zusätzliches Personal. Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen reiste ab, sein erklärtes Ziel: im rot-rot-grünen Senat eine neue Diskussionsgrundlage suchen.

Ein bisschen Bewegung gab es aber doch. Berlin zeigte sich kompromissbereit, das bisherige Nachtflugverbot von 5 bis 6 Uhr am Morgen zu verlängern – der rot-roten Landesregierung in Potsdam droht in dieser Angelegenheit ansonsten ebenfalls ein Volksentscheid. Falls es zu einem längeren Nachtflugverbot käme, würden am künftigen BER (wann immer der fertig wird) weniger Flugzeuge starten und landen können als geplant – obwohl die Prognosen der Passagierzahlen fortlaufend steigen. Was wiederum für einen Weiterbetrieb von Tegel … ach, lassen wir das. Wie heißt es so schön in pazifistischer Abwandlung eines alten Sprichworts: So schnell entscheiden die Preußen nicht.