Sonntagmittag

Sonntagmittag – Schon um 1950 hat Theodor Adorno den Riss zwischen Arbeit und Freizeit bemängelt, den er durch die deutsche Gesellschaft klaffen sah: her die lästige Lohnarbeit, dort die nur noch auf hohle Unterhaltung zielende Freizeit. Die Konsequenz: Nach Feierabend kein Denken mehr (weil das ja Arbeit wäre). Ablenkungsprogramm trifft auf Fachidiotie. Dass es nicht ganz so schlimm um die Welt stehen kann, beweist vielleicht ein wenig die anhaltende Begeisterung für Werner Herzog, nicht nur als Schauspieler, sondern vor allem auch als Filmemacher. Er fordere sein Publikum, traue ihm etwas zu, liest man über ihn: Eine Haltung also, die bei den meisten Filmproduzenten Alarmglocken läuten lassen müsste. Und doch ehrt die Deutsche Kinemathek sein Schaffen mit einer siebenmonatigen Ausstellung nebst reichlich Rahmenprogramm.