Krach um Kneipenlärm: Checkpoint-Leserinnen äußern sich zur nächtlichen Lärmbelästigung in Berlins Straßen

Um 22 Uhr beginnt offiziell die Nachtruhe. Die Checkpoint-Leserinnen und Leser diskutieren lebhaft, ob diese auch für Berlins Kneipen gilt oder ob man lieber mal ein Auge zudrücken sollte. Von Lorenz Maroldt

Krach um Kneipenlärm: Checkpoint-Leserinnen äußern sich zur nächtlichen Lärmbelästigung in Berlins Straßen
Foto: imago / David Heerde

Servicehinweis: Bis 22 Uhr können Sie sich auch draußen noch lautstark über den Kneipenlärm Berlins oder auch über dessen Untersagung aufregen (CP von gestern) – oder sich in aller Ruhe ein paar der vielen Mails unserer Leserinnen und Leser dazu anschauen (gekürzte Auszüge).

Jürgen Schwarz: „Vielleicht sollte man es bei der 22-Uhr-Regelung belassen und darüberhinausgehende Geräuschentwicklungen tolerieren, bis sich 10% der betroffenen Anwohner beschweren, um die Willkür Einzelner ausschließen.“

Volker Schlickum: „Ich feiere auch gerne. Schon vor vielen Jahren wurde ab 22 Uhr im Außenbereich der Kneipen kommuniziert, dass ‚man‘ bitte etwas leiser sein soll. Das hat meistens gut funktioniert und könnte auch heutzutage so gemacht werden.“

Dieter Galle: „Wieso lautet die Frage ‚Wird Berlin langsam spießig?‘ Warum nicht ‚die Berliner‘? Die rennen doch zum Verwaltungsgericht, wenn nach 21.59 Uhr irgendwo ein Bierglas zu laut auf den Tisch gestellt wird.“

Chris Stürmer: „Dass Berlin ‚langsam spießig‘ wird, wenn sich jemand über nächtlichen Lärm nachts um 23 Uhr beschwert, kann nur jemand schreiben, der selbst nicht betroffen ist. Ich bin vor 20 Jahren in den Wrangelkiez gezogen und bestehe darauf, dass sich meine Situation nicht verschlechtert. Und ich will mich hier ausdrücklich bei den Gastronomen bedanken, die vorbildlich zwischen 22 und 23 Uhr ihre Gäste nach drinnen bitten.“

Regine Strelow: „Wer in die Nähe einer Kneipe zieht, muss mit Geräuschen rechnen, wer neben einen existierenden Tennisplatz zieht, muss mit Klack-klack rechnen.

Helmut Hamm: „Dass es immer nur der eine Zugezogene ist, der sich beschwert, ist ja eine beliebte Taktik der Feier-Freunde. In der Praxis sieht es leider so aus: Das eigentlich zuständige Ordnungsamt macht um 22 Uhr Feierabend, man muss also die Polizei rufen. Die kommt irgendwann und verweist auf die Zuständigkeit des Ordnungsamts. Auch die Pücklerstrasse in Kreuzberg hat sich von einer ruhigen Wohnstraße in eine Partymeile verwandelt.“

Simone Michaelis: „Ich wohne absichtlich im grünen, ruhigen Norden, fahre jedoch gerne zum Essen oder Ausgehen nach Mitte oder City West. Dort ist es aber oft so ruhig wie im Außenbezirk.“

Sabine Wette: „Der Knüppel ‚spießig‘ wird ja gerne hervorgezogen, wenn es um Einschränkungen und Rücksichtnahme geht. Was ist spießig daran, wenn man arbeitet, die Kinder zur Schule müssen und alle ruhig schlafen möchten? Sogenannte Ausgehviertel entstehen immer mehr. Wegziehen wird immer schwieriger.“

Joachim Seinfeld: „Mich wundert die Debatte um den Kneipenlärmpegel ab 22 Uhr. Das war doch schon immer so, dass die Gäste dann rein gehen mussten. Aber jetzt, wenn sich arbeitende Anwohner über den Lärm beschweren, werden sie als Spießer dargestellt. Ich verstehe das Dilemma der Kneipen, das Problem auf die Anwohner abzuwälzen, ist aber keine Lösung.“

Bernd Lang: „Berlin habe ich im zeitlichen Umfeld des Songs ‚Kreuzberger Nächte sind lang‘ kennengelernt. Das ist Stadt! Das ist Leben! Aber Berlin verliert das zusehends. Wenn ruhebedürftigen Zugezogene es schaffen, dass alteingesessene Kneipen schließen, dann wird das Berlin in die Belanglosigkeit führen.“

Gaby Brandt: Es sei jedem eine laue Sommernacht gegönnt, aber bei 30 Grad am Tag ist gewöhnlich nachts das Fenster geöffnet. Die alten Regeln waren Basis eines friedlichen Miteinanders und sollten beibehalten bleiben.“

Ingo Schrader: „Es ist doch seltsam, dass über ein paar Bierbänke, die nach 22 Uhr in Betrieb sind, von Amts wegen immer wieder diskutiert wird, aber gegen nächtliche Autorennen, extralaute übermotorisierte Sportwagen oder Motorräder kaum etwas unternommen wird.“

M. Lübben: „Wir sind also Spießer und sollten am besten aus der Gegend wegziehen, damit andere mit ihrer ungeregelten Arbeitszeit abends noch einen draufmachen können. Ich finde das ignorant und ziemlich asozial.“

Da geht’s also hoch her. Und das zeigt sich auch mit einem Blick auf unsere Opinary-Umfrage – hier das Ergebnis: 48% sagen Ja zum Kneipenlärm nach 22 Uhr – und 48% sagen Nein (Stand heute früh, 6 Uhr). Patt! Unterschiede sind allenfalls im Promillebereich feststellbar.

Dementsprechend haben wir unsere thematische Sommerplaylist heute gleich um zwei Stücke erweitert: um das absolut geräuschlose „4‘33“ von John Cage und um das krachende „Cum On Feel The Noize“ von Slade. Ich nehme übrigens c): beides!