Sieg oder Weltuntergang: Springer-Chef Döpfner vergaloppiert sich in einer Kampfschrift
„Militärstratege“ Döpfner menetekelt in seinem „Bild“-Kommentar von Weltkrieg III und ruft die Nato-Staaten zu den Waffen. Mögliche Alternativen? Ausgeblendet. Von Lorenz Maroldt.
Der internationale Frauentag gestern war geprägt von männlicher Kriegsrhetorik – ein bizarrer Kontrast zu den gesellschaftlichen Veränderungen, die weltweit zu beobachten sind. Oder zu beobachten waren? Was wir jetzt täglich sehen, wirkt jedenfalls wie aus der Zeit gefallen – und ist doch erschreckend gegenwärtig: Dort Putin an seinem absurden, phallischen Tisch, der mit jeder neuen Lüge ein Stückchen länger wird; hier die Adrenalisten, die nach Aufrüstung, Wehrpflicht und Gegenschlag gieren.
Auch der berühmte Militärstratege Mathias Döpfner, zurzeit Vorstandsvorsitzender des Springer-Verlags (u.a. „Welt“), rief mit einer Kampfschrift, veröffentlicht als Kommentar in der „Bild-Zeitung“, die Nato-Mitglieder zu den Waffen – und zum Kriegseinsatz:
„Frankreich, England, Deutschland und Amerika müssen als Allianz der Freiheit Putins mörderisches Treiben mit ihren Truppen und Waffen in Kiew und mit dem modernsten Cyber-War in Moskau beenden.“ Ein furchtbares Dilemma, schreibt Döpfner weiter, aber: „Wenn das geschieht und nicht schnell gelingt, droht eine Eskalation bis zum 3. Weltkrieg. Wenn es nicht versucht wird, bedeutet das Kapitulation.“
Tja, so sieht’s aus: Die einen leiden unter Cäsarenwahn, die anderen unter Axel-Cäsar-Wahn. Sieg oder Weltuntergang, „all in“ wie beim Pokern, dazwischen gibt’s nichts. Oder vielleicht doch? Tatsächlich sind überall auf der Welt Bemühungen im Gange, Putin zurückzudrängen: mit noch härteren Sanktionen, mit Waffenhilfe für die Ukraine, mit Gesprächen über Bande – ohne dass die Eskalationsschraube gleich durchdreht. Wahr ist aber auch: Putin definiert ganz allein, was er als Kriegseintritt des Westens betrachtet.