Unfallbus der BVG hat kein Warnsystem für den Fahrer
Wie kann es sein, dass eine 35-Jährige sich an einem schönen Januarsonntag aufs Rennrad schwingt und nie wiederkommt, weil ein Bus sie überfährt? Die verbindliche Antwort auf diese Frage wird irgendwann ein Gericht geben. Aber die Brutalität des Unglücks vom Sonntag und die scheinbar unproblematischen Rahmenbedingungen – BVG-Bus biegt bei guten Sichtverhältnissen an überschaubarer Kreuzung rechts ab – machen es schwer, darauf zu warten. Nach CP-Informationen wurde an der Kreuzung in Johannisthal in den vergangenen drei Jahren ein Autofahrer schwer verletzt, vier Mal gab es Sachschaden. Das reicht fürs Prädikat „unauffällig“. Womöglich resultierte der tödliche Crash einfach aus dem tragischen Zusammentreffen einer schnellen Radfahrerin und eines unaufmerksamen Busfahrers mit dem trügerisch wohligen Gefühl, die Straßen am Sonntagmittag fast für sich allein zu haben.
„Dieser Unfall hat ein Beben im Unternehmen ausgelöst“, sagt BVG-Sprecherin Petra Nelken. Weil das Fahrpersonal der BVG täglich mehr als 100.000 Buskilometer unter oft schwierigeren Bedingungen absolviert und seit vielen Jahren keinen derart schweren Unfall verursacht hat. Aber auch, weil der nagelneue Bus einen von Nelken so genannten „Abbiegeassistenten“ an Bord hat: Der rechte Blinker aktiviert eine Kamera über der vorderen Tür, deren Bild dem Fahrer angezeigt wird. Eine Sonderanfertigung für die BVG, sagt Nelken. Keine Hilfe für den Fahrer, sondern ein Beitrag zu seiner Überforderung, kontert der Unfallforscher Siegfried Brockmann. Er hielte ein System mit Warnung – Blinklicht am Türholm und Vibration im Fahrersitz – für sinnvoller. Nelken sagt: „Die Systeme, die es bisher gibt, reagieren für unseren Großstadtverkehr zu empfindlich.“ Aber ist ein Menschenleben nicht tausend Fehlalarme wert?