Senat verpennt Breitbandanschluss der Schulen

2016 kündigte R2G an, Berlins „Schulen mit schnellen Breitbandanschlüssen“ auszustatten. Passiert ist seither nichts, nicht mal ein Antrag wurde gestellt. Von Lorenz Maroldt

Senat verpennt Breitbandanschluss der Schulen
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

wenn es um die Digitalisierung der Schulen geht, gibt sich der Senat fröhlich optimistisch – der Anschluss an die Neuzeit, so der verbreitete Eindruck, ist demnach nur noch einen Mausklick entfernt. Schließlich hatte Rot-Rot-Grün zum Start 2016 ja auch versprochen: „Die Koalition wird die IT-Infrastruktur der Schulen mit schnellen und leistungsfähigen Breitbandanschlüssen, WLAN für alle und einer zeitgemäßen Hard- und Software-Ausstattung ausbauen.“ (Koalitionsvertrag, S. 16)

Doch jetzt stellt sich durch Tagesspiegel-Recherchen herausDer Senat hat den Auftrag für den Anschluss der 700 allgemeinbildenden Schulen an das leistungsfähige Breitbandnetz noch nicht einmal vergeben. Und für alle, die das kaum glauben mögen, hier die Botschaft gleich nochmal im O-Ton des landeseigenen IT-Dienstleistungszentrums: „Das ITDZ Berlin wurde bisher nicht mit der Durchführung der Breitband-Anbindung der allgemeinbildenden Schulen beauftragt.“ Bisher. Nicht. Beauftragt.

Und da die Koalitionäre ja gerne darauf verweisen, dass es anderswo auch nicht besser sei als in Berlin, haben wir gestern gleich mal in Hamburg nachgefragt (Warnung für Herz-Kreislauf-Risikopatienten: die Antworten könnten Ihre Gesundheit gefährden):

1) Welche Behörde hat die Breitbandanbindung abgewickelt? „Es handelt sich um stadteigene Anschlüsse, die vom Dienstleister der Freien und Hansestadt Hamburg „Dataport AöR“ für die staatlich allgemeinbildenden Schulen realisiert wurden.“

2) In welchem Jahr wurde sie beauftragt? „Für die Umsetzung wurde im Januar 2008 ein Projekt durch die Behörde für Schule und Berufsbildung unter Beteiligung von Dataport und der Finanzbehörde eingesetzt.

3) Wann wurde der Prozess für das Gros der Schulen abgeschlossen? „Mit Abschluss des Projektes im September 2013 wurde das Ziel eines breitbandigen Anschlusses für die staatlichen allgemeinbildenden Schulen erreicht.“

Zurück nach Berlin, wo immer genug Zeit ist für eine Runde Behördenpingpong – hier das Digitalisierungs-Turnier („Großer Schulpreis“).

Aufschlag Grüne: Die Bildungsverwaltung soll „mehr Verantwortung übernehmen“.
Return Bildungsverwaltung: Das ITDZ ist der Innenverwaltung unterstellt, hat erst gar kein Ergebnis eines „Berichtsauftrages“ geliefert und dann ein nicht zufriedenstellendes.
Volley ITDZ: Siehe oben („bisher nicht beauftragt“).
Rückhand Schulen: Ohne Breitband und W-Lan können sie keine Endgeräte vom Geld aus dem Digitalpakt anschaffen. Ohne Endgeräte können sie keine zukunftsfähigen Medienkonzepte schreiben. Ohne Medienkonzepte können sie keine weiteren Mittel aus dem Digitalpakt beantragen.

Und weg ist das Bällchen.