Freiwillige Tester für Gesichtserkennung gesucht

Noch bis morgen kann man sich am Südkreuz von echten Bundespolizisten bestechen lassen: In der Westhalle suchen sie 275 Freiwillige für einen Test zur automatischen Gesichtserkennung; gestern Nachmittag waren rund 180 beisammen. Zur Belohnung werden 25-Euro-Einkaufsgutscheine in Aussicht gestellt. Aber nicht für den BuPol-Fanshop (Mehrzweckstock und Pfefferspray kann man ja immer gebrauchen), sondern ausgerechnet für den Steuervermeidungsdatenkraken Amazon. Power-User, die besonders oft unter den Kameras durchlaufen, haben Chancen auf einen von drei Hauptpreisen: eine Action-Kamera zum Zurückfilmen sowie ein Fitness-Armband und eine Apple Watch. Da ist das NSA-Abo quasi inbegriffen.

Sie wollen technischen Fortschritt unterstützen“, steht auf dem Flyer dazu, den eine zivile Bundespolizistin mir so charmant überreicht hat, dass ich vor Aufregung kaum Nein sagen konnte. „Melden Sie sich am besten gleich an!“, sagten sowohl der Flyer als auch die Beamtin, die dabei mit dem Arm zur Bahnhofswache wies. Aber dann hatte ich doch zu viel Angst, dass mir vor dem Ausgang mein Fahrrad geklaut wird, während ich drinnen auf der Wache mein Gesicht zu Markte trage für ein Projekt, von dem ich noch nicht recht weiß, ob eswirklich nötig oder doch eher ein Placebo mit unbekannten Risiken und Nebenwirkungen ist.