Kurzstrecke: Wie Berlin sauberer wird (und wie eher nicht)
Von wegen dreckig und verwahrlost! Berlin hat sich diese Woche mächtig herausgeputzt. So viel Ordnung (und Pressebegleitung) passt in wenige Tage:
+ Kai Wegner (CDU) stapfte mit der „SoKo Müll“ und ernster Miene im Hundehaufen-Zickzack durch Neukölln.
+ Touristen sollen Gutscheine bekommen, wenn sie Unrat aus der Spree fischen.
+ Ordnungsämter machten „berlinweite Schwerpunktkontrollen“ gegen Bauschutt, Siffmatratzen & Co.
+Und die Polizei knipste beim einwöchigen Blitzermarathon eilige Autofahrer.
Und? Schon alles sauber? Manfred Gresens sagt: Nein. Der 92-Jährige kämpft seit zwei Jahrzehnten für ein sauberes Berlin – mit teils unkonventionellen Mitteln. Über Hundekot schrieb der Neuköllner Rentner einen wütenden Rap. Weil Bushido nicht half, sang Gresens alias „Saubermann 007“ selbst. Sperrmüll dokumentiert er seit Jahren mit der Kamera, sein Archiv umfasst inzwischen 80.000 Bilder. Sein persönlicher Endgegner: ein Zementsack, seit 17 Jahren am selben Ort.
Für Verdienste um Sauberkeit verteilt er goldene Orden. Gresens hat zahllose Ideen, schreibt Briefe, geht Behörden, Politikern und der BSR auf den Senkel. Was kann einer allein gegen Müll ausrichten? Ich habe ihn besucht – und auf Patrouille begleitet.
Jetzt raus aus den Schmuddelecken und her mit den erfreulicheren Meldungen. Schon den Ticketalarm gestellt? Nächstes Jahr spielt Tilda Swinton am Berliner Ensemble. Schon die Kette geölt? Berlin hat eine neue Fahrradroute, die unter dem Motto „Warmes Licht und kühles Bier“ an Sehenswürdigkeiten der Industriekultur entlangführt. Schon im Grünen geschmökert? Die Stadtbibliothek Mitte läutet die Lesegarten-Saison ein. Lieber selbst pflanzen? In diesen fünf herrlichen Gärtnereien werden Kaffee und Kuchen gleich mitserviert.
In der Kurzstrecke verpassen Sie auch den liebevollen Comic „Berliner Schnuppen“ und das Wochenrätsel. Den ungekürzten Checkpoint und alle Recherchen und Geschichten des Tagesspiegels lesen Sie mit einem Plus-Zugang. Probieren Sie es aus, testen Sie zwei Monate für zwei Euro. Hier entlang zum Angebot.