Zensus und die Folgen

Wir bleiben beim lieben Geld: Eine halbe Milliarde Euro pro Jahr steht Berlin – rückwirkend ab 2022 – weniger zur Verfügung, weil die Stadt laut Zensus rund 130.000 weniger Einwohnerinnen und Einwohner hat als das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg angenommen. Doch wie kam es überhaupt zu der Fehleinschätzung?

Mark Hoferichter, Referatsleiter Zensus beim Statistikamt, erklärte dem Checkpoint, dass seine Behörde die Bevölkerung Berlins auf Grundlage des Zensus 2011 fortgeschrieben hat. Entscheidend dafür sind neben den Geburten und Sterbefällen die An- und Abmeldungen bei den Berliner Meldebehörden.

„Wenn dort Unschärfen vorhanden sind, setzen diese sich in der Bevölkerungsfortschreibung fort“, sagt Hoferichter. Und: „Viele Großstädte haben größere Abweichungen der Register und Bevölkerungsfortschreibung zum Zensus 2022, weil hier besonders mobile Personengruppen überproportional vertreten sind.“

Für Berlin ist das teuer, weswegen Ex-Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) fordert, dass die Meldebehörden in den Bezirken endlich proaktiv ihre Daten überprüfen. „Es wäre gut, dafür die Rückläufe bei der Europawahl zu nutzen“, sagte Kollatz dem Checkpoint. „Wenn die schon weggeworfen sein sollten, kann man die Rückläufe der kommenden Bundestagswahl nutzen, muss das aber auch wollen.“ Und können.