Wie sich der Berliner Senat bei den Kita-Regelungen in Widersprüche verstrickte
„Notbetreuung“, „Notversorgung“, Kitas zu, Kitas offen – wer soll den Durchblick behalten, wenn scheinbar nicht einmal die Beschlussträger einig sind? Von Lorenz Maroldt
Und die Kitas? Werden geschlossen und bleiben auf – der Regierende Bürgermeister, seine Sprecherin und die Bildungsverwaltung kommunizierten sich hier gestern ins Chaos.
Müller im ZDF: „Wir haben beschlossen, dass grundsätzlich die Schulen geschlossen werden und genauso auch die Kitas.“
Die Bildungsverwaltung: „Kitas bieten weiter Betreuung an, eindringlicher Appell an Eltern, Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.“
Die Bildungsverwaltung mit einer „Präzisierung“: „Die Berliner Kindertagesstätten und Kindertagespflegestellen bieten lediglich eine Notversorgung an.“
Der Lichtenberger SPD-Stadtrat Kevin Hönicke fragte nach: „Muss ein Nachweis für den Anspruch der Notversorgung vorliegen?“
Antwort der Bildungsverwaltung: „Nein, da es keine Notbetreuung ist, wie beispielsweise in der Primarstufe der Schulen, sondern lediglich eine Notversorgung.“
Nochmal Müller im ZDF: „Aber natürlich muss es doch gerade für die Kita-Eltern eine Notfallbetreuung geben. Und wir müssen jetzt sehen, wie viele Menschen werden diese Notbetreuung abfragen. Dafür müssen dann auch entsprechende Einrichtungen offenhalten.“
Senatssprecherin Melanie Reinsch zur Meldung „Kitas sollen offenbleiben“: „Stimmt nur leider so nicht.“
Verwaltungssprecher Martin Klesmann schreibt: „Ich denke, die Kitas und auch Eltern, die noch Kita-Kinder haben, werden pragmatisch Betreuungslösungen finden, wenn sonst nichts möglich ist.“
Ein letztes Mal Müller im ZDF: „Die Leute sollen zuhause bleiben, die Kinder sollen zuhause bleiben, ein dringender Appell an die Eltern, das auch zu organisieren.“
Wir fassen zusammen: Es gibt in Berlin „weiter Betreuung“ oder „Notbetreuung“ oder „Notfallbetreuung“ oder „Notversorgung“ oder „pragmatische Betreuungslösungen“. Die Kitas werden „geschlossen“ und „offengehalten“ (und zwar „natürlich“) – und das bei 52% Alleinerziehenden und 100% ratlosen Eltern (die das „organisieren“ sollen). Aber es sind ja auch noch zwei Tage Zeit, das zu klären.