Tim Renner will für die SPD in Neukölln antreten

Renner ist der Wunschkandidat von Franziska Giffey und Martin Hikel. Doch in der SPD-Neukölln tobt ein Machtkampf. Der Ausgang ist offen. Von Julius Betschka

Tim Renner will für die SPD in Neukölln antreten
Foto: Thilo Rückeis

Ordentlich was los in der SPD, es riecht nach Wahlkampf: Tim Renner war quasi der Vorgänger des Kandidaten-Duos Müller/Chebli. 2017 hatte er in Charlottenburg-Wilmersdorf für den Bundestag kandidiert – und war knapp an der CDU gescheitert. Der Ex-Kulturstaatssekretär hat sich für 2021 einen neuen Wahlkreis gesucht: Am späten Freitagabend verkündete er via Facebook, dass er von Bezirksbürgermeister Martin Hikel und der SPD-Bürgermeisterkandidatin in spe, Franziska Giffey, gefragt wurde, in Neukölln für den Bundestag zu kandidieren.

„Neukölln ist in vielen Dingen so, wie Berlin gern wäre“, schrieb der Noch-Nicht-Neuköllner dazu auf Facebook. Kein Bezirk sei so vielfältig. Neukölln habe alles vom Hipster bis zur gepflegten Bürgerlichkeit, kenne Armut aber auch Anmut. Neukölln stehe für die morderne Gesellschaft, glaubt Renner. Der Unternehmer aus der Musikbranche berichtet bei Facebook aber auch, dass er vor der Entscheidung für die Kandidatur mit sich gerungen hat. Renner war sich demnach unsicher, ob er als Außenstehender den Bezirk vertreten kann. 

Letztlich führte wohl vor allem der Rückhalt von Franziska Giffey und Martin Hikel dazu, dass sich Renner für die Kandidatur entschied. Der 57-Jährige will es nach dem knapp verpassten Einzug in den Bundestag vor vier Jahren nun noch einmal wissen. Und Neukölln gilt bei der Wahl im kommenden Jahr mit Spandau als Wahlkreis mit den höchsten Siegchancen für die SPD. Deshalb weicht der Kulturpolitiker nun dorthin aus.


Doch ob Tim Renner überhaupt der Kandidat der SPD sein wird, ist keinesfalls klar. Renner wird gegen den Co-Vorsitzenden der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Migration und Vielfalt, Hakan Demir, antreten. Demir hatte schon im Juni angekündigt, den scheidenden Neuköllner Bundestagsabgeordneten Fritz Felgentreu beerben zu wollen.

Seine Kandidatur hatte allerdings offensichtlich nicht die Unterstützung der Spitzen der Neuköllner SPD, weshalb diese auf Tim Renner zugingen. Der Neuköllner SPD-Kreisverband ist umkämpft zwischen dem Lager von Giffey, Hikel, dem Kreisvorsitzenden Severin Fischer und einem linken Lager auf der anderen Seite, für das Demir antritt.

Unterstützung erhält Renner auch vom scheidenden Neuköllner SPD-Abgeordneten Fritz Felgentreu, der den Wahlkreis 2017 direkt gewonnen hatte. Der anerkannte Sicherheitspolitiker, der parteiintern als Konservativer bekannt ist, entschied sich auch aus Frust über den Kurs seiner Partei, bei der kommenden Wahl nicht noch einmal anzutreten. Nun schreibt er auf Facebook: „Ich hoffe, dass der Wettbewerb um die Neuköllner Kandidatur auch für eine breitere Öffentlichkeit interessant wird - und Werbung für unsere SPD!“ Renner mache einen mutigen Schritt.

Setzt sich Demir in der parteiinternen Wahl letztlich durch, würde das wohl als Schwächung der sozialdemokratischen Hoffnungsträgerin Franziska Giffey gewertet. Es würde bedeuten, dass ihr im eigenen Kreisverband eine sichere Mehrheit fehlt.