Pünktlich zu Heiligabend: Die neue (Berliner) Weihnachtsgeschichte
In Berlins Version der Weihnachtsgeschichte wird aus der Krippe ein Späti, Influencer bringen Geschenke, und ein Neonlicht wacht über die Geburt. Frohe Weihnachten an die Hauptstadt! Von Ann-Kathrin Hipp.
So und nun: Die Weihnachtsgeschichte (inklusive Downloadlink, falls Sie das Ganze noch schnell ausdrucken und vor dem geschmückten Baum vortragen wollen oder noch ein kleines Last-Last-Minute Geschenk brauchen; alternativ können Sie unter diesem Link aber auch noch kurzfristig ein Tagesspiegel-Jahresabo verschenken)!
Es war das Jahr 2024, als Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) beschloss, eine Volkszählung durchzuführen – digital, aber natürlich mit Pannen. Alle Einwohner mussten sich registrieren lassen, was bedeutete, dass Maria und Josef, frisch aus Stuttgart nach Berlin gezogen, ins Bürgeramt Prenzlauer Berg mussten. Schwaben in Berlin – eine Herausforderung für sich, aber das würde hier zu weit führen. Maria jedenfalls war hochschwanger und Josef, ein Start-up-Gründer, der gerade eine App für nachhaltiges Spätzle-Shopping entwickelte, wusste, dass sie besser früh aufbrechen sollten. „Sonst stehen wir wieder in der Schlange, bis das Kind da ist“, meinte er. Doch in typischer Berliner Manier funktionierte die Online-Terminvergabe nicht, also blieb ihnen nichts anderes übrig, als persönlich zu erscheinen.
In Prenzlauer Berg angekommen, fanden sie natürlich keinen Parkplatz – und das mit einem Lastenrad voll Baby-Utensilien! Sie mussten sich durch Horden von Latte-Macchiato-trinkenden Eltern mit Kinderwagen kämpfen, um schließlich festzustellen, dass das Bürgeramt wegen Personalmangels geschlossen war. Erschöpft und ohne Unterkunft, suchten sie Zuflucht. „Probier mal bei Airbnb“, schlug Maria vor, aber Josef erklärte genervt: „Alles voll – und das Einzige, was frei ist, kostet 400 Euro die Nacht!“ Ein netter Späti-Besitzer hatte Mitleid und bot ihnen an, in seiner Abstellkammer zu übernachten. Sie war zwar klein und voll gestellt, aber immerhin warm, und Maria war froh, sich endlich hinlegen zu können.
In dieser Nacht kam Jesus zur Welt, begleitet vom Summen eines Neonröhrenlichts und dem Duft von Bier und Club Mate. Maria wickelte ihn in ein kuscheliges Handtuch mit „I love Berlin“-Aufdruck und legte ihn in einen alten Obstkorb. Draußen auf dem Tempelhofer Feld saßen einige Nachtwächter und wärmten sich mit überteuertem 7,50-Euro-Glühwein, den sie auf einem der zahlreichen Wintermärkte gekauft hatten. Plötzlich flammte ein Licht auf: Ein Drohnen-Lieferdienst schwebte heran und brachte nicht etwa Pizza, sondern eine Botschaft: „Fürchtet euch nicht! Heute ist ein Kind geboren, das Hoffnung bringt – in Prenzlauer Berg!“
Auch drei Influencer, die den hellen Stern der Drohne gesehen hatten, machten sich auf den Weg. Sie brachten Geschenke: vegane Dubai-Schokolade, Räucherstäbchen aus Neukölln und eine handgezogene (Anke) Myrrhe-Kerze. Die frohe Botschaft verbreitete sich schnell, denn natürlich erreichte sie noch tief in der Nacht die „Tagesspiegel Checkpoint“-Autoren und landete gleich am nächsten Morgen, pünktlich zum Frühstück, in den digitalen Postfächern der Berlinerinnen und Berliner. Betreff: „Heilige Hauptstadt: Kann dieses Baby Berlin endlich zum Funktionieren bringen?“ Und so wurde die Weihnachtsgeschichte in Berlin neu geschrieben: eine Geschichte von Chaos, Warmherzigkeit und der unerwarteten Magie des Miteinanders. In einer Stadt, die niemals schläft, erst recht nicht in der Heiligen Nacht.
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