Neuköllner Amtsarzt: Sechs Thesen aus dem härtesten Corona-Hot-Spot Deutschlands
Zoomen wir nach Berlin, nach Neukölln: Dort liegt die Sieben-Tages-Inzidenz mittlerweile bei 173,1 (Berlin: 76,3), es ist die höchste in Deutschland. Die Corona-Fälle an Schulen haben sich seit der Vorwoche verdreifacht. Warum steigen die Zahlen im Bezirk so rasant? Sind die Nord-Neuköllner Hipster schuld? Groß-Hochzeiten? Und: Was tun? Ich habe dazu exklusiv mit Dr. Nicolai Savaskan, dem Neuköllner Amtsarzt, gesprochen. Seine sechs wichtigsten Aussagen lesen Sie hier:
1) „Wir haben nicht mehr einen Brandherd, sondern multiple Glutnester – nicht Dutzende, sondern Hunderte. Die Analyse der Corona-Fälle zeigt keine regelhafte Verteilung mehr, keine Cluster. Bei 70 Prozent der Fälle finden wir keinen Infektionsherd mehr.“
2) „Wir müssen davon ausgehen, dass wir seit Wochen ein asymptomatisches Infektionsgeschehen hatten, das im Verborgenen lief. Jetzt müssen wir vermeiden, dass die Infektionen auf Risikogruppen übergehen.“
3) „Die Regeln des Robert-Koch-Instituts sind den Menschen kaum noch präsent, das erschwert unsere Arbeit sehr, weil es den Beratungsaufwand pro Fall enorm erhöht. Wir fangen gerade wieder bei Null an.“
4) „Steigen die Zahlen weiter, können wir die Eindämmungsstrategie nicht durchhalten, die wir seit Beginn der Pandemie fahren.“
5) „Wir müssen zu einer risikobasierten Pandemiebekämpfung kommen. Das würde heißen, dass wir empfehlen, dass Risikogruppen gesondert den öffentlichen Raum betreten und mit Schutzausrüstung ausgestattet werden. Auch Test-Slots müssten in Zukunft risikobasiert vergeben werden.“
6) „Was wir jetzt schon in Neukölln erleben, sind nur die Vorboten von dem, was wir wahrscheinlich in allen Metropolen des Landes erleben werden.“
Das gesamte Interview lesen Sie jetzt auf Tagesspiegel.de. Die Debatte um das beste Vorgehen gegen das Virus jedenfalls geht wieder los. Und wer jetzt noch mit dem Finger auf andere zeigt, sollte es besser dem Berliner Senat gleichtun: schön wieder wegstecken.