Polizeispitze widerspricht Vorwürfen
Jetzt aber von Rot und Magenta zu Blau: Die Spitze der Berliner Polizei hat ihre Unterwanderkarte auf den Tisch gelegt. Zu sehen war in einer Sondersitzung des Innenausschusses - nichts. Denn sowohl Innensenator Andreas Geisel (SPD) als auch Polizeipräsident Klaus Kandt und seine Stellvertreterin Margarete Koppers widersprachen anonymen Vorwürfen, dass es Angehörige krimineller Clans unter Auszubildenden gebe. „Es hat Bewerbungen gegeben, die aber nicht erfolgreich waren“, sagte Kandt. Dennoch fliegt jetzt wohl ein Polizeischüler raus: Der 27-Jährige soll Kontakte zur organisierten Kriminalität haben. Als er Kollegen bei einer Kontrolle in einer Szenekneipe auffiel, soll er nach Darstellung des RBB sogar auf dicke Polizeihose gemacht haben.
Zur Unzeit für die Aufklärer vom Polizeidienst kam da die Nachricht, dass eine Studentin der Hochschule für Wirtschaft und Recht bei ihrem Praktikum auf einem Polizeirevier heimlich Unterlagen fotografiert und an Unbekannt weitergesimst haben soll. Laut „B.Z.“ handelte es sich um Fahndungsfotos von Mitgliedern einer polizeibekannten arabischen Großfamilie; gegen die 20-Jährige, die keine Polizeischülerin ist, wird nun wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen ermittelt.
Jedenfalls fordert Innensenator Geisel („Ich dulde nicht, dass fremdenfeindliche Ressentiments bedient werden.“) vom Polizeipräsidenten, innerhalb von vier Wochen einen Bericht zu den Vorwürfen vorzulegen, die sich nicht nur um eine vermeintliche Unterwanderung durch Kriminelle drehen, sondern auch um Disziplinlosigkeiten an der Polizeiakademie. Ob diese interne Untersuchung etwas bringt? Nicht nur die Opposition, die die Sondersitzung des Ausschusses durchdrückte, hat da so ihre Zweifel, sondern auch Geisels Parteikollege Tom Schreiber. In der RBB-Abendschau sprach sich der Innenexperte für einen Ermittler aus einem anderem Bundesland aus, der könne dann die Vorgänge neutral klären. Und im Übrigen denke er, dass bald wohl noch mehr offensichtlich werde. Wie man das interpretieren soll, ließ er erst mal offen.