Braucht Berlin eine Million Bäume? „Ein großer Baum kann viel mehr bringen als zehn kleine“

Laut Klimaanpassungsgesetz soll Berlin bis 2040 über eine Million gesunde Straßenbäume haben. Baum-Experte Borgmann kritisiert den Fokus auf die schlichte Anzahl der Bäume. Von Daniel Böldt und Sönke Matschurek.

Braucht Berlin eine Million Bäume? „Ein großer Baum kann viel mehr bringen als zehn kleine“
Foto: dpa / Wolfgang Kumm

Vordergründig war Dirk Stettner gestern mit ganz anderen Dingen beschäftigt: Gegen 14 Uhr ließ der CDU-Fraktionsvorsitzende im Festsaal des Abgeordnetenhauses die Sektkorken knallen (buchstäblich!). Anlass war das sogenannte Klimaanpassungsgesetz, das CDU und SPD zusammen mit Grünen und Linken (bei Enthaltung der AfD) beschlossen haben. Ziel: Bis 2040 soll Berlin über eine Million gesunde Straßenbäume haben. Stand jetzt sind es nur etwas mehr 430.000. Geschätzte Kosten: 3,2 Milliarden Euro.

Der Berliner Baum-Experte Alexander Borgmann genannt Brüser ist skeptisch, dass dieses Ziel erreicht werden kann. Dabei seien gar nicht die Anzahl der Bäume das Problem. „Die kriegt man schon ran, die Produktion ist darauf eingestellt“, sagte Borgmann genannt Brüser dem Checkpoint. „Das eigentliche Nadelöhr sind die Standorte, die Fachfirmen und die Planungskapazitäten in den Ämtern.“

Der Geschäftsführer eines Baumpflege-Unternehmens kritisiert auch die Fokussierung auf die schlichte Anzahl der Bäume. „Wir sollten nicht die Bäume zählen, sondern auf den Wurzelraum schauen“, sagte er. Das sei am Ende entscheidender für den klimatischen Erfolg. „Ein großer Baum kann viel mehr bringen als zehn kleine.“