Was Berlin von Paris lernen kann
Frankreichs Kommunalwahlen vom Wochenende zeigen: Regieren wird aus Mut gemacht. Ein Beispiel auch für die kommenden Wahlen in der Hauptstadt? Ein Kommentar von Julius Betschka
Wie sieht‘s sonst im Kampf um den Premiumplatz im Roten Rathaus aus? Bei den Kommunalwahlen in Paris am vergangenen Wochenende waren ja vier der fünf Kandidierenden weiblich, eine Frau – Amtsträgerin Anne Hidalgo – gewann vor zwei anderen Frauen. Hält Müller sich an alle Absprachen, soll für die SPD im kommenden Jahr ebenfalls eine Frau antreten: Franziska Giffey. Bei den Grünen wird noch ausgefochten, welche Frau die Führungsrolle übernehmen darf: Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und Fraktionschefin Antje Kapek würden beide gern regieren, entschieden wird im Herbst. Bei den Linken ist dagegen ein Mann gesetzt: Kultursenator Klaus Lederer. Schattenregiermeister – weil Landesvorsitzender der stärksten Partei – ist zur Zeit aber ohnehin ein anderer: Kai Wegner. Der CDU-Chef radelt sich im Windschatten des Bundestrends für seine Spitzenkandidatur warm. Das macht selbstbewusst. Ob man auf Hilfe aus dem All warten müsse, um in Berlin sicher Rad fahren zu können, fragte seine Partei neulich internetfrech? Wir schauen lieber wieder nach Paris: Noch bemerkenswerter als die Kandidatinnenquote war das Velo-Programm, mit dem Anne Hidalgo ihre absolute Mehrheit gewann: Jede Pariser Straße soll einen Fahrradweg bekommen, jede Brücke einen geschützten Radweg. Dafür müssen laut „Forbes“ 72 Prozent aller Parkplätze am Straßenrand verschwinden. Und Hidalgo will die Lichterstadt verkiezen: Alles Notwendige soll sich maximal 15 Minuten entfernt befinden und möglichst zu Fuß erreichbar sein. Nun kann von diesen Maßnahmen jeder halten, was er will. Das Beispiel aber zeigt: Regieren wird aus Mut gemacht.