Polizei berechnet Gefährdung

Crashkurs in Kriminalistik gefällig? Voilà: „Die Kriminalitätsbelastung der Bezirksregionen wird anhand der Häufigkeitszahl (HZ) dargestellt. Die Häufigkeitszahl bezeichnet die Anzahl der Straftaten, bezogen auf 100.000 Einwohner. Sie drückt die durch die Kriminalität verursachte Gefährdung aus.“ Schreibt die Polizei zum Online-Kriminalitätsatlas. Am sichersten lebt es sich demnach in Müggelheim (HZ 3732). Die mit Abstand gefährlichste Ecke ist, tata!, das Regierungsviertel mit der Häufigkeitszahl 114.377. Den Spitzenplatz hat das Viertel auch in der Unterrubrik „Kieztaten“, die diverse Delikte bündelt, „bei denen oftmals ein enger räumlicher Bezug zwischen Tatort und Wohnort des Täters besteht“.
Das Verfälschen von Statistiken ist übrigens keine eigene Kategorie, aber es hat seinen Reiz, wie man sieht. Denn laut Dreisatz rechnet die Polizei dem Regierungsviertel 11.602 Einwohner zu, aber z.B. dem Alex mehr als 55.000. Der wird deshalb trotz >21.000 Straftaten nur drittgefährlichster Ort, während dem Regierungsviertel 13.270 Taten für den Titel als Herz der Finsternis genügen. In Müggelbü waren es übrigens 247 Taten, darunter ein Raub und drei Rauschgiftdelikte. Der absolut sicherste Ort 2017 ist laut Kriminalitätsatlas der Forst Grunewald mit 72 Fällen. Die Einwohnerzahl des Waldes ist nicht erfasst – aber 16 „Kieztaten“. Da hat der Keiler wohl die Sau rausgelassen.