Die Berliner/innen der Woche
Wir kommen zu den Auszeichnungen in der Kategorie „Berlinerinnen und Berliner der Woche“:
Bronze:
Hier gab es mehrere Nominierte. Zur Auswahl stand die Polizeistreife, die im Mauerpark den Kindern am Spielplatz eine Stunde lang geduldig ihren Wagen zeigte. Auch der unbekannte Wahlhelfer (m/w/d) vom Wahllokal 423, der (oder die) einen versehentlich eingeworfenen Impfausweis aus der Wahlurne fischte und dem Eigentümer nach Hause schickte, hätte es verdient – Checkpoint-Leser Michael Behrens schreibt: „Mehr Service kann man sich als Bürger eigentlich nicht wünschen. Danke an die Damen und Herren, die sich der Sache angenommen haben!“
Wir haben uns aber entschieden, mit Bronze die Landeswahlleiterin Petra Michaelis auszuzeichnen – sie übernahm als bisher Einzige Verantwortung für die Pannenwahl, bat um Abberufung nach Bekanntgabe der Ergebnisse am 14. Oktober und gab zu: „Wir haben die Herausforderungen alle unterschätzt.“ Chapeau.
Silber …
… geht an die Union-Fans, die am Donnerstagabend im Olympiastadion gegen die Antisemiten in den eigenen Reihen vorgegangen sind. Maccabi Deutschland schreibt dazu: „Diese Zivilcourage und Kultur ist es, die wir in unseren Stadien und auf unseren Sportplätzen brauchen, wann immer es zu Antisemitismus und Ausgrenzung kommt.“ Fans des israelischen Vereins Maccabi Haifa waren bedroht, mit Bier beworfen und judenfeindlich beleidigt worden.
Gold:
18.375 parlamentarische Anfragen wurden in der vergangenen Legislaturperiode im Abgeordnetenhaus gestellt, ebenso viele Antworten gab es aus den Senatsverwaltungen – doch auf den Höhepunkt mussten wir bis zum Schluss warten. Da wollte der fraktionslose NPD-Fan Kay Nerstheimer wissen: „Wie äußert sich der Senat zur stetigen Zunahme der Demonstranten gegen seine Corona-Maßnahmen?“ Tja, was soll man dazu sagen? Martin Matz, Staatssekretär der Gesundheitsverwaltung, fand eine goldwertige Antwort (meine Oma hätte gesagt „goldig“): „Über die Veränderungen des Körpergewichts von Demonstrierenden gegen die Corona-Maßnahmen liegen dem Senat keine Erkenntnisse vor.“ So ahnungslos witzig war der Senat noch nie.
Blech:
Das hätten wir eigentlich unserem Bürokommunikations-Dienst Slack verleihen sollen – da lief nämlich über Stunden nichts (was die Checkpoint-Produktion in der Nacht zum Freitag erheblich ins Schleudern brachte). Hier die drei Stufen des Wartens: 1) „We are aware of connectivity issues“, 2) „We're seeing some signs of improvement“, 3) „Thank you for bearing with us. It will take some time …“ Indeed!
Im Rennen war aber auch die dpa für ihre politische Fashion-Analyse – lesen wir mal rein: „Bei ihrem ersten Sondierungstreffen haben die Spitzenfrauen von SPD und Grünen in Berlin am Freitag im wahrsten Sinne des Wortes Stoff für Farbenspiele geliefert.“ (Hinweis: An dieser Stelle sich bitte auf die Schenkel klopfen). Es folgt der Hinweis auf den Mantel von Giffey (rot) und die Bluse von Jarasch (grün). Aber was soll es bedeuten, dass die Grünenpolitikerin eine schwarze Jacke und eine schwarze Hose trägt? „Etwa ein Signal für ein Bündnis auch mit der CDU?“ Leute, ihr seid da einer ganz heißen Sache auf der Spur!
Blech geht aber in dieser Woche an alle Autofahrer (m/w/d), die ihre Karossen rücksichtlos auf Geh- und Radwegen sowie in Sichtachsen abstellen – und die sogar, wie an der Schillerpromenade, Zäune überfahren, um nach dem Rasen auf dem Rasen parken zu können.