O’verzapft is! Wie Friedrich Merz Deutschland zum Bierfest erklärte
Her mit den Lederhosen und rein mit dem Ochsenbraten: Der CDU-Chef hat die Bundesrepublik am Montag zum bajuwarischen Alkohol-Staat deklamiert. Damit belebt er uralte konservative Mythen wieder. Ein Kommentar von Julius Betschka
Lederhosen und Dirndl raus, Ohropax und Ochsenbraten rein: Friedrich Merz hat die Bundesrepublik Deutschland am Montag zur Bierrepublik Gillamoos erklärt. Auf dem gleichnamigen bayerischen Volksfest rief der CDU-Parteivorsitzende sicherheitshalber gleich zweimal während seiner Rede: „Sie sind Deutschland! Nicht Berlin, nicht Kreuzberg! Gillamoos ist Deutschland!“ Was für eine Vision! Deutschland, aber als Bierfest! O’verzapft is!
Aber ruhig Blut … das Unverständnis für die (von der CDU regierte) deutsche Hauptstadt ist inzwischen ein Friedrich-Merz-Klassiker, die Ablehnung von Kreuzberg Kern seiner anti-grünen Erzählung. Hier die anständigen Biertrinker vom Land, dort die autohassend verträumte Großstadtelite (die hat die englischsprachigen Soja-Cappuccino-Trinker ersetzt). Das ist die neue beziehungsweise uralte CDU, die in den Reden ihres Chefs aufscheint. Warum das Land von BMW und VW, Siemens und Solarwende und Laptops und Lederhosen deshalb nun im Ganzen in Richtung eines stabilen Festzeltdeliriums taumeln soll, erschließt sich trotzdem nur mit Mühe. Ist Merz’ Botschaft „Ab jetzt hilft nur noch Alkohol“? Mit dieser Vision sollte man tatsächlich lieber früher als später zum Arzt gehen.