Arche in Berlin berichtet von „vielen Müttern“, die für ihre Kinder hungern

Wolfgang Büscher, Sprecher des Hilfswerks, schildert extreme Not. Viele Mütter sagten: „Wir essen nicht mehr zu Mittag, damit unsere Kinder abends satt werden“. Von Stefan Jacobs

Arche in Berlin berichtet von „vielen Müttern“, die für ihre Kinder hungern
Lebensmittelausgabe vor der Arche in Berlin-Hellersdorf. Foto: Paul Zinken/dpa

Tagelang hatten die Helfer von der Hellersdorfer „Arche“ eingekauft für die 50.000 Euro, die der Rotary-Club gespendet hatte. Zur Verteilung gestern kamen nach Auskunft von Arche-Sprecher Wolfgang Büscher etwa 800 Menschen: „Ukrainer, Deutsche, Araber; zu 90 Prozent Mütter“. Viele hätten zwei Stunden angestanden, um Lebensmittel für 65 Euro zu bekommen. „Dadurch habe ich Geld für meine Kinder“, sei die häufigste Erklärung gewesen, wobei es zum Prinzip der Arche gehört, nicht weiter zu fragen oder zu prüfen. „Ich höre von vielen Müttern: ‚Wir essen nicht mehr zu Mittag, damit unsere Kinder abends satt werden‘“, sagt Büscher.

Als er vor 20 Jahren angefangen habe, „habe ich mir nicht mal im Ansatz vorgestellt, dass wir so etwas mal erleben in Deutschland“. Nach seinem Eindruck seien unter den Gästen keine Schnorrer, und „das Vorurteil, dass das Geld für Alkohol und Zigaretten ausgegeben wird, trifft nach meinem Eindruck vielleicht zu fünf Prozent zu“.