Berlins Schulfrage: Ist digital nur anders oder besser?
„Der Präsenzunterricht bleibt das oberste Ziel,“ so der Regierende Bürgermeister. Doch in der Koalition mehren sich die Zweifel. Von Julius Betschka.
Größere Unstimmigkeiten gibt es in der Schulfrage: Vorerst bleiben die Berliner Klassenzimmer offen, die Schüler im Präsenzunterricht. Trotz irrer Infektionszahlen in einigen Bezirken: In der Alterskohorte der 15- bis 19-Jährigen liegt die berlinweite Inzidenz im Schnitt bei 390. In Mitte liegt sie bei 637, in Xhain bei 779 (Übersicht hier). Fünf Prozent der Berliner Schüler sind mittlerweile in Quarantäne. Amtsärzte machen dafür aber nicht nur Infektionen im Klassenzimmer, sondern vor allem die hohe soziale Aktivität dieser Alterskohorte verantwortlich. Ändern tut sich deshalb wenig: Weiterführende Schulen dürfen ab jetzt freiwillig auf Hybridunterricht umsteigen, ausgenommen sind die Abschlussklassen. An Sekundarschulen könnten also die Klassen 8 und 11, an Gymnasien die Klassen 8 und 9 wechseln.
Außerdem wird die Maskenpflicht auf Grundschulen ausgeweitet: Künftig müssen in Bezirken mit Inzidenzen von über 200 auch Fünft- und Sechstklässler Masken im Unterricht tragen. Grünen-Fraktionsvorsitzende Antje Kapek twitterte: „Ich bin erschüttert, dass wir eine Maskenpflicht für Grundschüler einführen. Sehr, sehr viele 10- und 11-jährige Kinder werden wahrscheinlich bis zum Ende des Schuljahres bis zu 8 Stunden am Tag Maske tragen.“ Tobias Schulze, Berliner Linken-Vize, wollte von ihr lieber wissen: „Wart ihr nicht dabei?“ SPD-Mann Sven Kohlmeier attestierte den Grünen, sich einen „schlanken Fuß“ zu machen. Andere Koalitionäre denken wiederum ernsthaft und immer lauter darüber nach, den Unterricht dort, wo es geht, digital stattfinden zu lassen. Unbeirrbar bleibt Senatsdirex Michael Müller: „Der Präsenzunterricht bleibt das oberste Ziel“, bekräftigte er.